Kaum veränderte Aussichten für die Schweizer Wirtschaft

Die Schweizer Wirtschaft ist weiterhin daran, sich zu stabilisieren und den Wechselkursschock zu verdauen. Das zeigt der KOF-Konjunkturbarometer im Oktober. Gegenüber September ist dieser leicht um 0,5 Punkte gesunken.

Stützender Konsum: Die Aussichten für die Schweizer Wirt­schaft haben sich im Oktober kaum verändert. (Symbolbild)

Stützender Konsum: Die Aussichten für die Schweizer Wirt­schaft haben sich im Oktober kaum verändert. (Symbolbild)

Damit hat sich gemäss der Mitteilung der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) vom Freitag die Situation für die Schweizer Wirtschaft kaum verändert. Mit dem neuen Stand von 99,8 Punkte befindet sich der Barometer leicht unter dem langfristigen Durchschnitt.

Etwas Druck auf das Barometer übten dabei die Indikatoren in den Bereichen Banken, Bau- und Gastgewerbe aus. Abgefedert werde die Abwärtstendenz jedoch von den minim besseren Perspektiven für den Konsum sowie von den stabilen Aussichten für das verarbeitende Gewerbe und den Exportchancen, wie es in der Mitteilung heisst. Insgesamt seien jedoch die Veränderungen im Oktober sehr gering.

Das KOF-Konjunkturbarometer ist ein Frühindikator für die Entwicklung der Schweizer Wirtschaftslage. Bisher setzte er sich aus 217 Einzelindikatoren zusammen. Nach der im September durchgeführten jährlichen Überarbeitung des Konjunkturbarometers werden gemäss KOF neu 238 Indikatoren ausgewertet.

Quelle: Liechtensteiner Volksblatt

Post prüft noch alle Optionen: Auch ein Verkauf ist nicht ausgeschlossen

Bei ihrem Auslandsengagement hat die Post einige Fehler gemacht, wie ein KPMG-Bericht aufzeigt. Nun wird ausgelotet, wie es mit den Tochterfirmen weitergehen soll.

«Die Geschäftsleitung der Post hat rechte Böcke geschossen.»

Adrian Hasler
Regierungschef

Postchef Peter Beck. (Foto: Nils Vollmar)

Postchef Peter Beck. (Foto: Nils Vollmar)

Im November muss der Landtag darüber entscheiden, ob er der Kapitalerhöhung für die Liechtensteinische Post AG zustimmt – oder diese an die Wand fah­ren lässt. Ganz ohne Murren wird dieser die 6,12 Millionen Franken nicht sprechen – die Bildung einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) auf Antrag der DU-Fraktion gilt als wahrscheinlich. Zusammen mit Stimmen aus der FBP sollten die dafür nötigen sieben Stimmen zusammenkommen, auch die anderen Fraktionen haben ihre Offenheit bekundet. «Vor allem soll die Verantwortlichkeit des Verwaltungsrats, der Geschäftsführung und auch der Regierung zu den im Ausland getätigten Übernahmen genauestens geprüft werden und falls möglich auch Haftungsansprüche geltend gemacht werden», schrieb DU in einer Mitteilung. Dies sei legitim und die Post stehe einer solchen PUK offen gegenüber, kommentiert Postchef Peter Beck auf «Volksblatt»-Anfrage das Vorhaben der Unabhängigen. Ob die Untersuchungskommission Klarheit bringen wird, liege letztendlich im Ermessen des Landtags.

Bildschirmfoto 2015-10-18 um 14.29.44

Auslandsengagement war ein Fehler

Regierungschef Adrian Hasler liess beim Bürgergespräch am Donnerstag wenig Fragen offen, wer für die finanzielle Schieflage der Post verantwortlich ist: «Die Geschäftsleitung der Post hat rechte Böcke geschossen: Sie besass zu wenig Erfahrung und war in ihren Entscheidungen, was die Auslandsengagements betrifft, einfach nicht kompetent.»

Diese Aussage deckt sich in weiten Teilen auch mit den Ausführungen im Bericht des Wirtschaftsprüfers KPMG, welchen die Post auf Anraten der Regierung in Auftrag gegeben hat. Darin wurde insbesondere auf den Kauf der beiden Tochtergesellschaften eingegangen (das «Volksblatt» berichtete am 30. September). Mit der 2011 übernommenen österreichischen DIG und der 2012 erworbenen Newtron aus Deutschland wollte die Liechtensteinische Post eigentlich Know-how im digitalen Bereich aufbauen. Die Entwicklung der beiden Firmen verlief allerdings nicht so wie geplant, worauf sie mit Darlehen der Post ausgestattet werden mussten. Zusammen mit der Ausfinanzierung der Deckungslücke der staatlichen Pensionsversicherung führten diese Entwicklungen zu einem Verlust bei der Post, wie es im Bericht und Antrag (BuA) der Regierung heisst.

Im KPMG-Bericht wird etwa der Akquisitionsprozess der österreichischen DIG «als nicht genügend professionell durchgeführt» beurteilt, der Post habe es an Erfahrung bei der Akquisition von Unternehmen gefehlt. So musste der Verwaltungsrat seinen Investitionsentscheid auf der Grundlage von «ungenügenden Entscheidungsgrundlagen» fällen. Zudem sei auch der Kauf der verbleibenden 25 Prozent der Anteile schlecht verhandelt worden. Die Post habe einen überhöhten Betrag bezahlt, obwohl nach dem Abgang des Gründers, Software-Problemen, dem Wegfall der Kontrollprämie sowie diversen Liquiditätsspritzen ein niedrigerer Preis angemessen gewesen wäre, kommt die KPMG weiter zum Schluss.

Der Kauf der Newtron war laut KPMG angesichts der anstehenden Ausfinanzierung der Deckungslücke aus der PVS «nicht oder nur schwierig durch die Post finanzierbar». ­Dies sei vollständig ausgeblendet worden. «Somit wurde gemäss der KPMG zumindest unbewusst die heutige schwierige finanzielle Situation der Post in Kauf genommen», heisst es weiter. Die Integration der beiden Unternehmen sei zwar organisatorisch richtig aufgegleist worden. Notwendige Entscheide seien aber zu spät gefällt worden. Dadurch sei ein Führungsvakuum entstanden, weshalb die Integration am Ende gestoppt werden musste.

Kaufpreis noch geheim

Ginge es nach dem Regierungschef, bräuchte die Post überhaupt kein Auslandsengagement – was auch die Post erkannt habe. Wie genau aber mit den Tochtergesellschaften weiter verfahren werden soll, steht weiterhin nicht fest. «Wir prüfen derzeit alle strategischen Optionen, die auch einen Verkauf nicht ausschlies­sen», gibt Peter Beck auf Anfrage bekannt. Mehr will er jedoch nicht verraten, da die Prozesse intern noch laufen würden. Bekannt ist aber, dass es zur DIG bereits Angebote von Käufern gibt. Über deren Höhe macht der Postchef «aus verhandlungstaktischen Gründen» jedoch keine Angaben. Ebenso lässt Beck offen, ob hinsichtlich der deutschen Newtron ebenfalls Kaufangebote existieren. In wenigen Wochen könnten jedoch konkrete Fakten vorgelegt werden.
Geduld ist auch bezüglich eines möglichen Haftungsanspruchs gefragt. Diese Frage wird laut Beck derzeit noch geprüft: «Sobald das Ergebnis vorliegt, wird der Verwaltungsrat zusammen mit den Eignern entscheiden können, welches die nächsten Schritte sind.» Damit bleibt Beck den Landtagsabgeordneten für ihre Entscheidung bis November vermutlich noch einige Informationen schuldig.

Quelle: Daniela Fritz, Liechtensteiner Volksblatt

«Ich habe gar nicht überlegt, ob ich das auch in der Schweiz bekomme»

Schweizer Kunden strömen zum Einkaufen über die Grenze. Dort suchen sie Einkaufserlebnis und günstige Preise. Schweizer gestehen, dass sie die deutschen Preise nicht einmal mehr mit denen zu Hause vergleichen. Nur eine Branche blüht weiter.

Ein bisschen was von allem: Bei Einkaufstouristen fallen die Einkäufe meist etwas grösser aus. | Bild: Carsten Rehder (dpa)

Ein bisschen was von allem: Bei Einkaufstouristen fallen die Einkäufe meist etwas grösser aus. | Bild: Carsten Rehder (dpa)

Die Autos stauen sich in Richtung Konstanzer Innenstadt. Das ist seit Jahren samstäglicher Alltag in Kreuzlingen vor der Grenze. In der Schlange, die zu den Parkplätzen und Tiefgaragen in Konstanz steuert, stehen fast ausnahmslos Autos mit Schweizer Kennzeichen.

Viele Produkte sind bei einem für Einkaufstouristen idealen Währungsverhältnis von fast 1:1 fürs Schweizer Portemonnaie verlockend billig. Dazu kommt die Mehrwertsteuer-Rückerstattung.

Für einen Einkauf im Euroland fahren die Einkaufstouristen 100 Kilometer und mehr. In Konstanz tragen sie mehr als ein Drittel zum Umsatz der Geschäfte bei, mehr als in jeder anderen deutschen Stadt entlang der schweizerischen Grenze.

Umsatz des Schweizer Einzelhandels sinkt immer weiter

Die Einkaufstouristen geben insgesamt rund 10 Milliarden Franken jährlich im Ausland aus, alle Grenzregionen und die Online-Einkäufe eingerechnet. Das sind 10 Prozent des Schweizer Einzelhandelsumsatzes, berechnete das Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz.

Ihr gehören Migros, Coop, Manor und Denner an. Der Umsatz des Schweizer Einzelhandels ist im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent gesunken, wie das Marktforschungsinstitut GfK Anfang August mitteilte. Der Hauptgrund liegt laut GfK beim Einkaufstourismus.

Umsatzsteigerungen nur im Bereich Fast Food

2014 war das Geschäft noch geringfügig gewachsen. «Eine leichte Zunahme gibt es im Bereich Food», fasst Karin Keller-Sutter, Präsidentin des Verbandes Swiss Retail, dem 40 Detailhandelsunternehmen angehören, das Ergebnis des letzten Jahres zusammen.

Im Lebensmittelbereich ist der Markt zunehmend gesättigt. Auch bei Kleidung und Schuhen macht sich eine Konsolidierung bemerkbar. Zu diesem Schluss kommt der Retail Outlook der Credit Suisse auch für 2015.

Detailhandels-Experte Gotthard Wangler sagt sogar: «Der Detailhandel wächst vor allem wegen der Zuwanderer.» Am Bruttoinlandprodukt (Bip) als Indikator für die Leistung der Volkswirtschaft hat der private Konsum einen Anteil von rund 60 Prozent. Der Detail- oder Einzelhandel steuert aber nur 5 Prozent bei.

Autohandel kaum betroffen

Nach wie vor positiv entwickelt sich die Autobranche. Autokäufe sind in den Zahlen zum Einkaufstourismus nicht enthalten. «Ein Grossteil der Schweizer Autofahrer kauft sein Fahrzeug zweifellos in der Schweiz», sagt Katrin Portmann, Sprecherin des Autogewerbe-Verbandes Schweiz.

Der Anteil der Direktimporte beträgt nach Angaben des Importverbandes Auto Schweiz nur 7 Prozent. Konsumenten, die in der Schweiz einen neuen Mittelklassewagen für 28.000 Franken kaufen, bezahlen im Preis enthalten 8 Prozent Mehrwertsteuer oder 2240 Franken.

Wenn sie mit dem Wagen während eines Jahres einmal pro Monat im Ausland für 100 Franken einkaufen, entgehen der Schweiz im Vergleich nur 96 Franken an Mehrwertsteuer.

Schweizer Geschäfte könnten länger geöffnet haben

Dennoch bewog der Einkaufstourismus den Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi zur Beantragung einer Gesetzesänderung. Geschäfte sollen während der Woche von 6 bis 20 Uhr und an Samstagen von 6 bis 19 Uhr geöffnet haben dürfen.

Bundesrat und Parlament haben dem Anliegen zugestimmt. Verlängerte Öffnungszeiten sollen zum Einkaufsbummel zu Hause verlocken und so den Kaufkraftabfluss eindämmen. Man müsse von mindestens 500 Millionen Franken ausgehen, die durch Einkaufstourismus an Mehrwertsteuereinnahmen entfallen, erklärt die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter.

Gemessen an den Gesamteinnahmen des Bundes von rund 22 Milliarden Franken jährlich machen die 500 Millionen Franken einen Anteil von etwas mehr als 2 Prozent aus.Seit dem 1. Januar 2015 gelten neue Regelungen für bestimmte Branchen, die nach groben Schätzungen der Schweizer Regierung 4 Millionen Franken mehr in die Steuerkasse spülen werden.

Warum die Schweiz nicht günstiger verkaufen kann

Dennoch sagt auch Gotthard Wangler: «Der Einkaufstourismus ist schädlich für die Schweizer Wirtschaft.» Denn wer günstiger im grenznahen Ausland einkaufe, wolle in der Schweiz trotzdem das Lohnniveau und die Qualität beibehalten. 95 Prozent des Einkaufstourismus seien im Preis begründet.

Karin Keller-Sutter betont, dass die höheren Preise in der Schweiz nicht durch Willkür des Handels verursacht seien. «Die höheren Preise sind auf Handelshemmnisse, höhere Logistik- und Werbekosten und auf die administrierten Preise staatsnaher Betriebe zurückzuführen.»

«Gleichzeitig hebt sie die wichtige volkswirtschaftliche Rolle der Branche hervor: Der Detailhandel sei nach dem Gesundheitswesen mit 300.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber und bildet mit 17.000 Auszubildenden am meisten Lehrlinge aller Branchen aus.

Derart grosse Umsatzeinbrüche wirken sich deshalb auf den Arbeits- und Ausbildungsmarkt aus und betreffen damit die ganze Volkswirtschaft und alle Bürger, die ja gleichzeitig auch Konsumenten sind.»

Konsumenten rechnen nicht genau

Die Konsumenten aus der Schweiz machen die Rechnung nicht unbedingt genau. Das zeigt eine Kurzumfrage in Konstanz. Ein Mann mit St. Galler Kennzeichen sagt, er habe ein Produkt im Prospekt gesehen und gar nicht überlegt, ob er das auch in der Schweiz bekomme.

Ein Deutscher mit Thurgauer Kennzeichen erklärt, die Auswahl sei größer und die Preise seien günstiger. Er spare mit diesem Einkauf, bejaht er, jedoch nicht, um das Geld für etwas anderes auszugeben, er spare einfach. «Davon profitiert möglicherweise die Autobranche, aber beispielsweise auch der Wellnessbereich», vermutet Gotthard Wangler.

Sarah Stalder, Geschäftsführerin des Konsumentenschutzes, glaubt, dass die Konsumenten das eingesparte Geld wieder im Ausland ausgeben, denn: «Leute, die gemerkt haben, welch grosse Einsparungen sie mit dem Auslandeinkauf erreichen, werden ihn zur Gewohnheit machen», so Stalder.

Dagegen helfe lediglich, die Preise für Importprodukte dem umliegenden Ausland anzugleichen. Für Ueli Mäder, Soziologe an der Universität Basel, zählen für die Einkaufstouristen neben dem Preisargument noch weitere Motive wie etwa die andere Umgebung. Der Wissenschaftler verweist darauf, dass «ein Feriengefühl aufkommen kann, wenn ich in einer andern Währung bezahlen muss».

Quelle: Madeleine Stäheli Toualbia, Südkurier