Regierungschef will optimale Rahmenbedingungen

Unter dem Thema «Erfolgsfaktor Innovation» hat Regierungschef Adrian Hasler im Kokon Corporate Campus in Ruggell seine Initiative zu Föderung der Innovation in Liechtenstein vorgestellt.

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Unterhalten sich angeregt: Frank Thelen und Regierungschef Adrian Hasler. (Fotos: Michael Zanghellini/Eddy Risch)

Start-ups brauchen eine gut präparierte Piste

Der rasante technische Fortschritt eröffnet unzählige neue Möglichkeiten für Menschen mit Ideen. Jene, die sich an alte Strukturen klammern, sind dagegen schnell weg vom Fenster. Das ist die Quintessenz der Veranstaltung «Impuls Liechtenstein» im Kokon in Ruggell.

Wer sich in der heutigen Zeit nicht dauernd neu erfindet, der wird gnadenlos abgehängt. Das gilt für alle Wirtschaftszweige. Insbesondere die Banken müssen sich in den nächsten Jahren warm anziehen. Referent Frank Thelen geht davon aus, dass in vier bis sieben Jahren die Bankenwelt völlig anders aussehen wird. Es gebe unzählige kleine Start-ups, die mit smarten Onlinelösungen zum Angriff auf die Grossbanken blasen würden. «Leute mit Hirn können heute ganze Industrien umwerfen», ist Frank Thelen überzeugt.

Optimale Rahmenbedingungen

Regierungschef Adrian Hasler hat die Zeichen der Zeit erkannt und mit der Veranstaltung in Ruggell einen ersten Impuls gesetzt, um das Thema Innovation breiter zu diskutieren. Im Zentrum seiner Innovationsoffensive steht eine besondere Gesellschaftsform, die sogenannte «Liechtenstein Venture Cooperative» kurz LVC. Diese Rechtsform erntete von den Podiumsteilnehmern grossen Zuspruch, insbesondere Thomas Vogt, Gründer und CEO der Firma Adlos AG in Balzers, outete sich als grosser Fan: «Was ist die LVC – das ist eine Zusammenführung von guten Ideen und klugen Köpfen.» Auch Frank Thelen sieht in dieser Rechtsform grosses Potenzial: «Ich glaube, das ist eine super Sache. Damit wird das Gründen von Firmen einfach und effektiv.» Wenn jemand eine gute Idee habe, dann brauche er eine Autobahn, die Politik dürfe da nicht in Form von administrativen Hürden Steine in den Weg legen. Dem pflichtete auch Oliver Oehri, Founding Partner der CSSP AG in Vaduz, bei: «Als wir unsere Firma gegründet haben, da wollten wir innovativ sein. Wir wollten uns nicht mit administrativen Problemen beschäftigen.» Adrian Hasler betonte, dass die Regierung mit dieser LVC genau hier ansetzen wolle. Die Regierung stelle online verschiedene Formulare bereit, damit Gründer ohne grossen administrativen Aufwand und ohne hohes Startkapital, aber mit einer gewissen Rechtssicherheit, sofort mit der Arbeit beginnen können. Wenn das Start-up dann eine gewisse Flughöhe erreicht habe, dann könne es in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Aber am Anfang will der Regierungschef hier die Hürden und Auflagen bewusst möglichst klein halten. Frank Thelen sieht hier für Liechtenstein eine grosse Chance: «Liechtenstein ist ein schönes Land – ein sehr attraktiver Standort mit stabilen Rahmenbedingungen. Ich glaube, dass die Leute wirklich hierher kommen wollen.»

«Leute mit Hirn können heute ganze Industrien umwerfen.»

Frank Thelen
Unternehmer – CEO e42

Nicht studieren – tun

In Liechtenstein sollen aber nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen optimiert werden, sondern junge Menschen werden direkt zum Unternehmertum trainiert und angeleitet. Das macht die Uni mit Lehrgängen mit dem Schwerpunkt Entrepreneurship (Unternehmertum). «Wir haben an der Uni ein Programm entwickelt, das es erlaubt, nicht nur über das Gründen zu reden, sondern es auch zu tun. Schliesslich kann man Gründen nicht studieren, man kann es nur machen», erklärte Christian Marxt, Inhaber des Lehrstuhls für Technologie und Entrepreneurship. Zwar scheitere die Hälfte der Studenten mit der ersten Idee grandios, aber auch das sei Teil des Lernprozesses.

Scheitern ist eine Option

Diese Lektion hat Frank Thelen in jungen Jahren selbst gelernt. Auch er hat ein zuerst gut funktionierendes Unternehmen in den Sand gesetzt und war dann nach der Jahrtausendwende mit einer Million Mark verschuldet. Er habe mit seinem privaten Vermögen gehaftet und das sei eine sehr bittere Erfahrung für ihn als jungen Mann gewesen. Seine Botschaft an junge Firmengründer: «Geht niemals unter null. Bedenkt aber, Scheitern ist eine Option, Scheitern gehört auch mit dazu.» Mittlerweile hat er diverse neue Start-ups gegründet und für viele Millionen verkauft. Hinter seinem Erfolg steckt jedoch harte Arbeit: «Eines muss man sich bewusst sein, wenn man ein Unternehmen gründet, dann hat das Unternehmen Priorität eins – Familie und Freunde stehen hinten an. Das ist ein hartes Thema, aber das ist so. Ein Halbzeitding wird nicht funktionieren unter 14 Stunden am Tag geht da nichts.» Diese Erfahrung teilt auch Thomas Vogt: «Es ist wirklich kein Teilzeitjob. Es ist vollgas.»

Volksblatt-Beitrag als PDF herunterladen

Quelle: Doris Quaderer, Liechtensteiner Volksblatt

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