Twint und Paymit führen Fusionsgespräche

Die Bezahlapps Twint und Paymit kämpfen um die Vorherrschaft bei den Schweizer Kunden. Nun überlegen sich die Betreiber eine Zusammenlegung.

Der Gang in die Schweiz des amerikanischen Mobile-Payment-Diensts Apple Pay steht wohl unmittelbar bevor. Denn Ende Februar wurde die Marke Apple Pay durch den Konzern aus Cupertino hierzulande registriert und aktiviert. Darauf reagieren die Schweizer Anbieter der Apps Twint und Paymit nun. In einer Medienmitteilung geben sie bekannt, dass sie Sondierungsgespräche bezüglich einer gemeinsamen Lösung für digitale Zahlungsverkehrsleistungen in der Schweiz aufgenommen haben.

bezahlapps

Aus den bevorstehenden Gesprächen soll eine gemeinsame Lösung für digitale Zahlungsverkehrsleistungen in der Schweiz resultieren – oder fürchten sich die Schweizer Bezahlapps etwa vor dem amerikanischen Riesen Apple, der in der Schweiz einen Smartphone-Marktanteil von rund 42% hält?

 

An den Gesprächen beteiligen sich die fünf grössten Schweizer Banken Credit Suisse, PostFinance, Raiffeisen, UBS und ZKB, die Finanzdienstleisterin SIX und die Detailhändler Coop und Migros sowie die Swisscom. Dabei soll geklärt werden, ob und inwiefern ein gemeinsames mobiles Zahlungssystem kanalübergreifend, flächendeckend und rasch in der Schweiz verbreitet werden kann. Die Unternehmen betonen, dass die Verhandlungen ergebnisoffen geführt werden sollen.

Erste Gesprächsergebnisse Anfang Mai

In der Medienmitteilung schreiben die Firmen, dass die beiden Lösungen Twint und Paymit auf grosses Interesse bei den Konsumenten, dem Handel sowie den Banken gestossen seien. Die Lösungen würden sich aber bezüglich ihrer Nutzungsmöglichkeiten sowie ihrer technologischen Hintergründe unterscheiden.«Credit Suisse, PostFinance, Raiffeisen, UBS, ZKB, SIX, Coop und Migros sowie Swisscom prüfen nun die Möglichkeit einer Zusammenarbeit, um den Schweizer Konsumenten und dem Detailhandel eine integrierte und standardisierte Lösung zum digitalen Zahlungsverkehr anzubieten.»

Die gemeinsame Lösung soll von allen Kunden verwendet werden können und stünde sämtlichen Händlern, Banken, Herausgebern von Zahlkarten sowie weiteren Marktteilnehmern offen. Bestehende Kundenverträge sollen weitergeführt werden. Über erste Ergebnisse der Gespräche werden die beteiligten Parteien die Öffentlichkeit spätestens Anfang Mai informieren.

In der Zwischenzeit würden die Entwicklungen der beiden Lösungen aber unverändert weitergehen. Angekündigte neue Funktionen von Twint (digitale Stempelkarten, Couponing, Direktanbindung Konto) und von Paymit (Bezahlen am Verkaufspunkt, In-App-Payment, Bezahlen im E-Commerce) würden unabhängig vom Fortgang der Gespräche wie geplant eingeführt, heisst es weiter.

Verzicht auf «Payment War»

Die grossen Schweizer Anbieter scheinen somit auf einen Kampf um die Marktführerschaft und einen «Payment War» verzichten zu wollen. Noch vor zwei Wochen hatte Fintech-Investor und Usgang.ch-Gründer Marc P. Bernegger auf Twitter in Bezug auf den baldigen Markteintritt von Apple Pay einen solchen heraufbeschworen. Zu 20 Minuten sagte er damals: «Statt sich gegenseitig zu bekämpfen, sollten sich die Schweizer Anbieter Twint und Paymit auf einen gemeinsamen Standard einigen, bevor Apple und Google definitiv in die Schweiz kommen.» So könnten sie ihre Position im Kampf gegen die internationalen Anbieter stärken. Diesem Ratschlag leisten die Schweizer Payment-Firmen nun Folge.

Was braucht es für den Erfolg einer Bezahl-App?
Für HSLU-Professor Andreas Dietrich hängt der Erfolg einer Bezahl-App von ihren Zusatzfunktionen ab. Gemeint ist zum Beispiel die Integration von Punktesammelkarten wie Cumulus oder Supercard. Auch eine einfache Bedienung oder eine Billett-Speicherfunktion können helfen, die Kunden für eine Bezahl-App zu gewinnen, ergänzt ZHAW-Bezahlexperte Sandro Graf. Allgemein gelte: «Lösungen, die sich nur auf das Bezahlen konzentrieren und keine anderen Mehrwerte bieten, haben es schwer.» Im Gegensatz dazu zeigt sich Telekom-Spezialist Ralf Beyeler kritisch: «Alle denken, Bezahl-Apps sind die Zukunft und wollen sich ein Stück vom Kuchen abschneiden. Was dabei vergessen geht: Ein grosser Teil der Konsumenten hat derzeit noch grosse Sicherheitsbedenken in Bezug auf diese neue Technologie.»

Quelle: (kwo), 20 Minuten

Marketing-Trophy 2016 Gewinner Kategorie KMU – Kunststoff-Supersack

Elkuch «Ein Schritt in die richtige Richtung» ist der Ansporn des Liechtensteiner Entsorgungsfachbetriebs, der nun prämiert wurde.

Idee In der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein werden Haushaltkunststoffe nur zu rund 15 Prozent recycelt, der Rest landet im regulären Abfall. Mit dem Supersack der Elkuch Josef AG wurde ein preisgünstiger Kunststoffsammelsack lanciert. Ein dichtes Netz von Verkaufs- und Abgabestellen sollte es umweltbewussten Menschen leicht machen, Haushaltkunststoffe nachhaltig zu entsorgen. Der Fokus beim Marketingmix lag auf einer kanalübergreifenden Kommunikation. Es galt, gut durchdachte Werbemassnahmen umzusetzen, um langfristige Kundenbindungen zu erzeugen. Um erste Anreize zu schaffen, musste die Entsorgung von Haushaltkunststoffen günstiger gestaltet werden als die Entsorgung von Kehricht. Vor allem mussten die Kunden aber über den ökologischen Aspekt erreicht werden.

supersack

Elkuch: Dank dem Supersack wird im Fürstentum nun mehr Kunststoff recycelt.

Ziele Das übergeordnete Ziel mit dem Supersack war es, die Umwelt nachhaltig zu schonen. Mit der Einsparung von 122’000 Kilogramm C02 per Ende 2015 wurde dieses Ziel erreicht. In der Region Fürstentum Liechtenstein/Kanton St. Gallen konnte die Marktführerschaft erreicht werden. Das Absatzziel von 30’000 verkauften Supersäcken konnte bei weitem übertroffen werden. Auch die Umsatzerwartungen wurden mit mehr als 70’000 Franken übertroffen.

Fazit Mit dem Supersack ist es gelungen, die Menschen auf ein wichtiges Problem aufmerksam zu machen – die Entsorgung von Haushaltkunststoffen. Durch den Marketingmix wurde eine breite Zielgruppe erreicht und ein nachhaltiger Beitrag für die Umwelt geleistet. Aus den gesammelten Kunststoffen werden wichtige Sekundärkunststoffe gewonnen, die den lokalen Industriebetrieben kostengünstig zur Verfügung stehen. So profitiert auch die Wirtschaft. Involvierte Agentur: Markenkern

<<Aus Alltagsgegenstand eine Marke geschaffen>>

Interview mit Björn Berchtel, Leiter Marketing der Elkuch Josef AG, Eschen FL.

Ihr Projekt hat eine Marketing-Trophy 2016 gewonnen. Überrascht vom Sieg?
Björn Berchtel: Als Provinzler aus dem Fürstentum Liechtenstein freut es uns besonders, und wir sind sehr stolz. Der Gewinn dieses Titels ist für uns neben der erfolgreichen Umsetzung eine weitere Bestätigung, dass wir mit unserem Marketingkonzept auf dem richtigen Weg sind, und an dem halten wir fest.

Inwiefern ist Ihre Idee innovativ?
Das Produkt an sich wurde bereits vor uns am Markt eingeführt, jedoch haben wir aus dem relativ einfachen Alltagsgegenstand eine Marke geschaffen. Trotz niedrigem Budget und einem zeitlichen Rückstand gegenüber den Mitbewerbern konnten wir durch das Branding Supersack die klare Positionierung erreichen.

Wie hoch war das Budget dafür?
Das ursprünglich geplante Budget wurde mit 20’000 Franken festgesetzt. Da das Projekt Supersack deutlich besser angelaufen ist als geplant und mehr Marktpotenzial verfügbar ist als angenommen, wurde auf 35’000 Franken aufgestockt.

Welche Ziele haben Sie mit Ihrer/Ihren involvierten Werbe- und/oder Medienagentur(en) gesteckt?
Durch ein nachhaltiges und innovatives Produkt unseren Kunden einen neuen Lösungsansatz für ihre Kunststoffabfälle bieten und unser Image als umweltbewusster Entsorgungsfachbetrieb stärken. Parallel dazu sollte durch die Erweiterung unseres Dienstleistungsangebots ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Mitbewerbern geschaffen werden.

Wie haben Sie den Erfolg der gesteckten Ziele gemessen?
Den wirtschaftlichen Erfolg konnten wir anband der abgesetzten Supersäcke bzw. der dadurch generierten Umsätze und des erwirtschafteten Deckungsbeitrags ermitteln. Aus Sicht der Nachhaltigkeit konnten wir zudem die C02-Ersparnis messen. Weitere Indikatoren waren für tins die Anzahl der Zugriffe auf unsere Website und das positive Feedback aus unserem Umfeld. Die Eroberung der Marktführerschaft durch die Abdeckung aller Annahmestellen in Liechtenstein und der angrenzenden Ostschweiz war noch ein weiteres Plus.

Quelle: Special Marketing+Verkauf, Handelszeitung
Beitrag: Patricia Schmidt, Beratung, Serviceplan – Public Relations Suisse, Zürich
Interview: Norman C. Bandi