Crash-Prophet wettert gegen die Bargeld-Abschaffung

2006 schrieb Wirtschafts-Professor Max Otte sein Buch «Der Crash kommt». Zwei Jahre später war die Finanzkrise und damit der Crash da. Seitdem horcht die Finanzwelt auf, wenn Otte sich zum Marktgeschehen äussert. Das hat er jetzt gegenüber der «Wirtschaftswoche» getan. Es wurde eine Abrechnung mit der Geldpolitik der Notenbanken und mit der EZB allgemein.

Max Otte schimpft in dem Interview: «Wir haben eine EZB, die die Zinsen nicht erhöht und seit dem Sommer sogar Unternehmensanleihen kauft. Das ist direkter sozialistischer Staatsinterventionismus.»

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Euros und Franken: Otte wirft den Banken vor, die Geldscheine aus Eigennutz abzuschaffen. (Keystone)

Skandinavien setzt auf elektronische Zahlung

Und weiter: «Während meines Studiums in Köln in den achtziger Jahren hätten meine Professoren es sicher nicht für möglich gehalten, dass wir die Regeln so stark beugen. Was wir jetzt haben, hätten sie schlicht Planwirtschaft genannt.»

Neben der Geldpolitik stösst ihm auch ein weiterer Schritt auf: Die sukzessive Abschaffung des Bargelds. Dafür sprach sich schon im Januar Deutsche Bank Chef John Cryan aus, weil es zu kostenintensiv sei. Die Bank of America verbietet laut Otte ihren Kunden die Aufbewahrung von Bargeld in Safes der Bank. Die EZB schafft den 500 Euro-Schein ab und in Skandinavien soll bald nur noch elektronisch gezahlt werden.

«Wie die DDR im Endstadium»

Doch dieser Schritt dient für Otte ganz und gar nicht dazu die Kosten zu senken. Er ist der Meinung, dass dadurch Strafzinsen leichter an Bürger weitergegeben und marode Banken leichter saniert werden könnten.

Ausserdem würden grosse Ecommerce-Anbieter profitieren, weil jeder Einkauf registriert würde. «Bargeld wäre die Rote Karte, welche die Bürger dieser Politik zeigen könnten. Also muss man die rote Karte aus dem Verkehr ziehen. Das ist wie die DDR im Endstadium», so Otte.

Viele kleine Explosionen statt grossem Crash

Natürlich wurde Otte als Crash-Prophet zu einem möglichen neuen Zusammenbruch der Finanzmärkte befragt. Doch hier hat der Experte eine andere Meinung: «Es droht nicht der eine grosse Crash, sondern eine Vielzahl kleiner, kontrollierter Explosionen, wie aktuell im italienischen Bankensektor. Die Situation hat sich nicht gross geändert: Es gibt zu viele Geldforderungen auf der Welt, zu viele Schulden, zu viel Liquidität – und die muss zurückgeführt werden.»

Trotzdem empfiehlt er Anlegern auch im kommenden Jahr auf Aktien zu setzen, allerdings nur auf bestimmte. «Die ganzen Risiken, die in der Weltwirtschaft lauern, werden das Geschäft der Nestlés, Coca Colas, Procter & Gambles oder Microsofts dieser Welt nicht gross ändern. Mit Qualitätstiteln können Sie also immer noch ein gutes Fundament bauen», rät Otte.

Dieser Text erschien zunächst bei «Business Insider Deutschland» unter dem Titel «Wie die DDR im Endstadium: Crash-Prophet Max Otte warnt vor dem Krieg gegen das Bargeld».

Quelle: Christoph Damm, Business Insider Deutschland

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Digitalisierung: Raubt uns die Maschine die Arbeit?

Ein Heer von Postboten, Taxichauffeuren und Büroangestellten wird bald ohne Job sein, da ein Computer ihre Arbeit schneller und besser erledigt. Das Paket wird von einer Drohne ausgeliefert, Autos finden ihr Ziel selbst. Ist das die Zukunft unserer Arbeit?

Die Digitalisierung ist in vollem Gange und soll laut Experten jeden zweiten Job in Zukunft überflüssig machen. Die vierte industrielle Revolution pflügt gerade die Gesellschaft und Wirtschaft um und kreiert eine neue Arbeitsrealität.

Technischer Fortschritt ging in der Vergangenheit stets mit neuem Wohlstand einher. Wie wird es dieses Mal sein? Lässt diese Revolution viele Verlierer zurück, die den Anforderungen der künftigen Arbeitswelt nicht mehr genügen?

Oder sind einfach andere Qualitäten gefragt? Solche, die Maschinen nur schwer übernehmen können, wie etwa Menschenkenntnis, Verhandlungsgeschick oder Überzeugungskraft?

Trifft es die Kassiererin, die durch den Roboter ersetzt wird? Oder werden die Hierarchien flacher und es braucht den Chef nicht mehr?

Im «Club» bei Karin Frei diskutieren die Gäste darüber, wie gut die Schweiz für die digitale Zukunft gerüstet ist, welche Berufe dereinst unsere Jungen ausüben und ob es grundlegende Reformen braucht.

Barbara Josef, Unternehmerin, begleitet Veränderungsprozesse in Firmen
Amanda Sauter, Grafikdesignerin und Jungunternehmerin
Lino Guzzella, Präsident ETH Zürich, Thermotroniker
Corrado Pardini, Gewerkschafter Unia (Leitung Sektor Industrie), Nationalrat SP/BE
Joël Luc Cachelin, Ökonom, Gründer Wissensfabrik

Positionen:

Barbara Josef: «Das Digitale Zeitalter macht uns nicht zu Opfern. Es bietet uns die einmalige Chance, Arbeit neu zu denken und neu zu verhandeln.»

Amanda Sauter: «Vor Veränderungen habe ich keine Angst. Veränderungen sind ein konstanter Teil unseres Lebens und machen dieses erst spannend.»

Lino Guzzella: «Der Wert des Wissens fällt, der Wert des Denkens steigt. Für die Bildung der Zukunft heisst das, wieder mehr Freiräume schaffen, Kreativität fördern und Raum zum Schaffen eigener Projekte geben.»

Corrado Pardini: «Man darf sich die Digitalisierung nicht nur technisch innerhalb der Fabriktore vorstellen. Wir stehen auch gesellschaftlich vor grossen Umwälzungen. Zentral werden Fragen wie das Eigentum der eigenen Daten, das Recht auf Arbeit und die Unabhängigkeit der Demokratie von multinationalen Konzernen.»

Joël Luc Cachelin: «Es wird weniger Arbeit geben, weil jene, die entsteht, kompensiert nicht, was wegfällt. Es werden höhere Anforderungen an uns gestellt werden. Wir werden nicht umhin kommen, grössere gesellschaftliche Reformen anzugehen, vor allem in Sachen Sozialversicherungen und Bildung.»

Quelle: Der Club, SRF