Crash-Prophet wettert gegen die Bargeld-Abschaffung

2006 schrieb Wirtschafts-Professor Max Otte sein Buch «Der Crash kommt». Zwei Jahre später war die Finanzkrise und damit der Crash da. Seitdem horcht die Finanzwelt auf, wenn Otte sich zum Marktgeschehen äussert. Das hat er jetzt gegenüber der «Wirtschaftswoche» getan. Es wurde eine Abrechnung mit der Geldpolitik der Notenbanken und mit der EZB allgemein.

Max Otte schimpft in dem Interview: «Wir haben eine EZB, die die Zinsen nicht erhöht und seit dem Sommer sogar Unternehmensanleihen kauft. Das ist direkter sozialistischer Staatsinterventionismus.»

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Euros und Franken: Otte wirft den Banken vor, die Geldscheine aus Eigennutz abzuschaffen. (Keystone)

Skandinavien setzt auf elektronische Zahlung

Und weiter: «Während meines Studiums in Köln in den achtziger Jahren hätten meine Professoren es sicher nicht für möglich gehalten, dass wir die Regeln so stark beugen. Was wir jetzt haben, hätten sie schlicht Planwirtschaft genannt.»

Neben der Geldpolitik stösst ihm auch ein weiterer Schritt auf: Die sukzessive Abschaffung des Bargelds. Dafür sprach sich schon im Januar Deutsche Bank Chef John Cryan aus, weil es zu kostenintensiv sei. Die Bank of America verbietet laut Otte ihren Kunden die Aufbewahrung von Bargeld in Safes der Bank. Die EZB schafft den 500 Euro-Schein ab und in Skandinavien soll bald nur noch elektronisch gezahlt werden.

«Wie die DDR im Endstadium»

Doch dieser Schritt dient für Otte ganz und gar nicht dazu die Kosten zu senken. Er ist der Meinung, dass dadurch Strafzinsen leichter an Bürger weitergegeben und marode Banken leichter saniert werden könnten.

Ausserdem würden grosse Ecommerce-Anbieter profitieren, weil jeder Einkauf registriert würde. «Bargeld wäre die Rote Karte, welche die Bürger dieser Politik zeigen könnten. Also muss man die rote Karte aus dem Verkehr ziehen. Das ist wie die DDR im Endstadium», so Otte.

Viele kleine Explosionen statt grossem Crash

Natürlich wurde Otte als Crash-Prophet zu einem möglichen neuen Zusammenbruch der Finanzmärkte befragt. Doch hier hat der Experte eine andere Meinung: «Es droht nicht der eine grosse Crash, sondern eine Vielzahl kleiner, kontrollierter Explosionen, wie aktuell im italienischen Bankensektor. Die Situation hat sich nicht gross geändert: Es gibt zu viele Geldforderungen auf der Welt, zu viele Schulden, zu viel Liquidität – und die muss zurückgeführt werden.»

Trotzdem empfiehlt er Anlegern auch im kommenden Jahr auf Aktien zu setzen, allerdings nur auf bestimmte. «Die ganzen Risiken, die in der Weltwirtschaft lauern, werden das Geschäft der Nestlés, Coca Colas, Procter & Gambles oder Microsofts dieser Welt nicht gross ändern. Mit Qualitätstiteln können Sie also immer noch ein gutes Fundament bauen», rät Otte.

Dieser Text erschien zunächst bei «Business Insider Deutschland» unter dem Titel «Wie die DDR im Endstadium: Crash-Prophet Max Otte warnt vor dem Krieg gegen das Bargeld».

Quelle: Christoph Damm, Business Insider Deutschland

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Digitalisierung: Raubt uns die Maschine die Arbeit?

Ein Heer von Postboten, Taxichauffeuren und Büroangestellten wird bald ohne Job sein, da ein Computer ihre Arbeit schneller und besser erledigt. Das Paket wird von einer Drohne ausgeliefert, Autos finden ihr Ziel selbst. Ist das die Zukunft unserer Arbeit?

Die Digitalisierung ist in vollem Gange und soll laut Experten jeden zweiten Job in Zukunft überflüssig machen. Die vierte industrielle Revolution pflügt gerade die Gesellschaft und Wirtschaft um und kreiert eine neue Arbeitsrealität.

Technischer Fortschritt ging in der Vergangenheit stets mit neuem Wohlstand einher. Wie wird es dieses Mal sein? Lässt diese Revolution viele Verlierer zurück, die den Anforderungen der künftigen Arbeitswelt nicht mehr genügen?

Oder sind einfach andere Qualitäten gefragt? Solche, die Maschinen nur schwer übernehmen können, wie etwa Menschenkenntnis, Verhandlungsgeschick oder Überzeugungskraft?

Trifft es die Kassiererin, die durch den Roboter ersetzt wird? Oder werden die Hierarchien flacher und es braucht den Chef nicht mehr?

Im «Club» bei Karin Frei diskutieren die Gäste darüber, wie gut die Schweiz für die digitale Zukunft gerüstet ist, welche Berufe dereinst unsere Jungen ausüben und ob es grundlegende Reformen braucht.

Barbara Josef, Unternehmerin, begleitet Veränderungsprozesse in Firmen
Amanda Sauter, Grafikdesignerin und Jungunternehmerin
Lino Guzzella, Präsident ETH Zürich, Thermotroniker
Corrado Pardini, Gewerkschafter Unia (Leitung Sektor Industrie), Nationalrat SP/BE
Joël Luc Cachelin, Ökonom, Gründer Wissensfabrik

Positionen:

Barbara Josef: «Das Digitale Zeitalter macht uns nicht zu Opfern. Es bietet uns die einmalige Chance, Arbeit neu zu denken und neu zu verhandeln.»

Amanda Sauter: «Vor Veränderungen habe ich keine Angst. Veränderungen sind ein konstanter Teil unseres Lebens und machen dieses erst spannend.»

Lino Guzzella: «Der Wert des Wissens fällt, der Wert des Denkens steigt. Für die Bildung der Zukunft heisst das, wieder mehr Freiräume schaffen, Kreativität fördern und Raum zum Schaffen eigener Projekte geben.»

Corrado Pardini: «Man darf sich die Digitalisierung nicht nur technisch innerhalb der Fabriktore vorstellen. Wir stehen auch gesellschaftlich vor grossen Umwälzungen. Zentral werden Fragen wie das Eigentum der eigenen Daten, das Recht auf Arbeit und die Unabhängigkeit der Demokratie von multinationalen Konzernen.»

Joël Luc Cachelin: «Es wird weniger Arbeit geben, weil jene, die entsteht, kompensiert nicht, was wegfällt. Es werden höhere Anforderungen an uns gestellt werden. Wir werden nicht umhin kommen, grössere gesellschaftliche Reformen anzugehen, vor allem in Sachen Sozialversicherungen und Bildung.»

Quelle: Der Club, SRF

Meyers Sparprogramm – Digitalisierung vernichtet die SBB-Jobs

Bis 2020 will SBB-Chef Andreas Meyer 1400 Jobs abbauen. Möglich ist das dank Automatisierung und neuen Technologien. Der Mensch wird zunehmend durch Computer ersetzt – auch in den Teppichetagen.

Die Digitalisierung wird unzählige Jobs vernichten. Wissenschaftler und Experten warnen immer wieder davor. Gefahr droht aber nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt schon. Das zeigt etwa der von SBB-Chef Andreas Meyer (55) verkündete Abbau. 1400 Jobs will er einsparen – dank höherer Effizienz durch die Automatisierung.

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SBB-Chef Andreas Meyer will die SBB umbauen und mit weniger Personal auskommen. KEYSTONE

Das Beispiel der SBB zeigt: Betroffen sind nicht nur einfachere Jobs. Auch qualifizierte Kräfte in Büros und den Teppichetagen braucht es weniger. Da hilft auch ein Diplom nicht. Computer und Roboter schalten und walten schneller, zuverlässiger, ohne Pausen – und vor allem ohne Lohn.

So streichen die SBB in der Administration, Verwaltung und auf Führungsebene 500 Stellen. Die seien unnötig hat die US-Firma McKinsey den SBB vorgerechnet. Dabei schuf Meyer vor neun Jahren in der Verwaltung tausende neue Jobs. Heute sagt er: «Dank neuer Technologie können wir nun mit weniger mehr machen.»

Das gleiche Schicksal teilen etwa die Zugverkehrsleiter. Sie sitzen in der Zentrale und sind für den reibungslosen Ablauf des Bahnbetriebs zuständig. Eine wichtige Aufgabe, vor allem für die Sicherheit des Bahnverkehrs. Nun werden ganze 250 Arbeitskräfte auf einen Schlag nicht mehr gebraucht. Die SBB wollen auch hier stärker auf Computer setzen: «Aufgrund der automatisierten Zugsteuerung braucht es weniger Personal in der Zugverkehrsleitstelle», sagt Meyer zu BLICK.

Abbau an den Schaltern

Ähnlich ergeht es dem Rangierpersonal (minus 165 Stellen) und den Verkäufern: An den Schaltern gehen 220 Jobs verloren. Zwar wünschen sich gerade ältere Personen nach wie vor bediente Schalter, für die jüngeren Generationen sind solche laut SBB aber überflüssig geworden: Sie kaufen Tickets direkt via Smartphone. Wozu also noch teures Schalterpersonal anstellen, denkt sich die SBB-Spitze. Selbst wer ein GA besitzt, muss heute zum Verlängern nicht mehr an den Schalter. Beim Swisspass erneuert sich das Abonnement automatisch.

Angesetzt wird der Rotstift auch bei Lokführern von Güterzügen (minus 90 Stellen) und bei weiteren nicht näher ausgewiesenen Berufsgruppen innerhalb den SBB (minus 140 Stellen). Neben dem Abbau sollen aber auch 200 neue Stellen entstehen. Aufgestockt wird bei Zugbegleitern (plus 60), beim Reinigungspersonal und bei den Handwerkern (plus 60) sowie bei Lokführern im Personenverkehr (plus 80).

Zukunft ohne Lokführer

Allerdings ist selbst die Zukunft der Lokführer ungewiss. Auch ihr Job könnte der Digitalisierung zum Opfer fallen: Die Südostbahn (SOB) etwa plant auf ihrem Streckennetz einen Versuch mit Zügen ohne Lokführer. Das Pilotprojekt soll in den nächsten drei Jahren starten. So weit sind die SBB zwar noch nicht. Auf Nebenlinien könne man sowas testen, sagt Meyer. Aber Projekte die irgendwann in der Zukunft kämen, wolle er nicht zu früh schon ankünden.

Quelle: Bastian Heiniger, Blick.ch/Ringier AG

Schweizer Universitäten: Bologna-Reform ist nur Fassade

Vor 15 Jahren hat die Schweiz die Bologna-Reform in ihren Hochschulen eingeführt. Die hohen Ziele, die man sich gesteckt hat, sind grösstenteils nicht erreicht worden. Kein Wunder, denn die Schweizer Universitäten haben nur eine Schein-Reform durchgeführt.

Menschen sollten jünger in den Arbeitsmarkt, Absolventen sollten «arbeitsmarktfähiger» werden, die Bildungskosten sollten sinken. Unter anderem diese Ziele setzte sich die Schweiz, als sie 2001 begann, die Bologna-Reform in ihren Hochschulen einzuführen. Sie sind allesamt nicht erreicht.

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Das Universitätsstudium: Dient es der Selbstentfaltung? Oder der effizienten Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt? (Foto: SRF)

1. Das Alter der Universitäts-Absolventen bewegt sich, wie eh und je, um die 27 Jahre. Auch an Fachhochschulen ist das Alter nur geringfügig gesunken: von 26,8 Jahre im Jahr 2001 auf 26,6 Jahre im Jahr 2015.

2. Absolventen von Universitäten werden von Konzernen nicht als praxisnah wahrgenommen, vor allem nicht die Bachelor-Absolventen. Eine Anfrage von «ECO» bei Swisscom, Roche, ABB und Zurich Versicherung zeigt: Erst die Praxiserfahrung macht Absolventen interessant (s. unten).

3. Die Bildungsausgaben pro Person in der Schweiz sind fast um die Hälfte gestiegen. In der Tertiärstufe fallen durchschnittlich 31‘000 Franken pro Kopf an.

«Kein Akademiker wollte die Bologna-Reform wirklich», sagt Antonio Loprieno. Er war bis 2015 Präsident der Schweizer Hochschulrektorenkonferenz. Die Schweizer Universitäten waren von Anfang an in Aufruhr, als sich der europäische Hochschulraum abzeichnete. Sie hielten fest, dass die Idee der Reform hierzulande «nicht akzeptabel» sei. Universitätsrektoren sollen gar versucht haben, den befugten Staatssekretär, Charles Kleiber, von der Unterzeichnung abzuhalten, wie er der «Zeit» berichtete.

In mehreren europäischen Ländern, darunter auch die Schweiz, gingen Studenten auf die Strasse und wehrten sich gegen «Bologna». In der Kritik stand vor allem die Absicht, die Hochschulen der Wirtschaft näherzubringen.

Bachelor, Master, ECTS

Heute gelten überall in Europa dieselben Abschlüsse. Studiengänge enden mit einem Bachelor- oder einem Master-Abschluss. Mit so genannten ECTS-Punkten sind Kurse miteinander vergleichbar geworden. Für Studenten erleichtert das die internationale Mobilität – und auch jene zwischen Universitäten im Inland und einzelnen Fächern.

Zumindest in der Theorie. In Wahrheit verhalten sich die heutigen Studenten an Schweizer Universitäten aber wie jene der Vor-Bologna-Ära. Sie schliessen in 9 von 10 Fällen einem Bachelor einen Master an. Sie verbleiben zu 75 Prozent an derselben Universität. Und zwei Drittel von ihnen macht in demselben Fach weiter.

Selbstkritik der Universitäten

Antonio Loprieno stand nicht nur der Schweizer Hochschulrektorenkonferenz vor, er war zudem zuständig, das Bachelor-System an der Universität Basel einzuführen. Dabei hatte er gerade dem US-amerikanischen Hochschulsystem den Rücken gekehrt, um sein Fach Ägyptologie wieder «richtig» zu betreiben, sagt er im Interview mit «ECO».

Rückblickend gesteht er ein, die Schweizer Universitäten hätten sich nur den Anstrich einer Veränderung gegeben: «Es bleibt eine systemische Unschönheit, dass wir eine Reform in formaler Hinsicht herbeigeführt haben, aber weniger in inhaltlicher Hinsicht.» Und: «Eine vollkommene Reform hätte impliziert, dass man auch an den Studieninhalten arbeitet, und das hat man nicht gemacht. Man hatte keine Zeit, und man hatte ehrlich gesagt auch keine Lust, denn wir sind mit den Inhalten, die wir hatten, auch einigermassen zufrieden gewesen.»

Antonio Loprieno veröffentlicht im Oktober ein Buch mit dem Titel «Die entzauberte Universität». Darin widmet er auch dem «Mythos Bologna» ein Kapitel.

Humboldtsches vs. angelsächsiches Modell

Damit spricht er den Kern des Problems an: Die Schweiz hat eine andere Hochschultradition als jene, die Bologna zugrunde liegt. Hier gilt das Humboldtsche Bildungssystem: Darin ist die Ausbildung eine Einheit, nicht unterbrochen, immer im selben Fach. Bologna dagegen ist vom angelsächsischen System geprägt. Darin haben Bachelor und Master unabhängig voneinander ihren Wert.

Antonio Loprieno erklärt den Unterschied an einem Beispielfach: «Im angelsächsischen Bereich ist das Studium Informatik auf Bachelor-Ebene in sich geschlossen. Und es ermöglicht das Studium auf Master-Ebene auch in anderen Disziplinen, in denen Informatik gebraucht wird. Man kann nach einem Informatikstudium in der Schweiz eigentlich nur Informatik weiterstudieren. Und in den USA kann man vielleicht Physik, Digital Humanities oder Chemie studieren.»

«Das wollte Bologna nicht»

Neue Form, alter Inhalt: Für Matthias Mölleney ist es höchste Zeit, dass die Schweiz beginnt, die Vorzüge des Bologna-Systems zu verstehen und umzusetzen. Der Leiter des Zentrums für Personalmanagement und Führung an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich sagt: «Was wir häufig bemerken: An der Universität wird der Bachelor-Abschluss gemacht, und dann wird den Studierenden geraten, sie sollen doch gleich anschliessend, wenn sie schon dabei sind, den Master-Abschluss machen. Und das ist eigentlich genau das, was Bologna nicht wollte, sondern zwischen dem Bachelor und dem Master sollte Praxiserfahrung gesammelt werden.»

Er sieht die Verantwortung aber auch bei seiner eigenen Zunft: «Wir Personalchefs müssen stärker noch darüber nachdenken – vielleicht gemeinsam mit den Unis – wie wir diesen Praxisteil einbauen können. Neuerdings sagt man Onboarding-Programme, um diese Praxis zu erlernen. Dann habe ich natürlich eine viel bessere Passung. Jemand mit einem universitären Abschluss plus Praxis, das wäre das Optimale.»

Er plant nun einen Arbeitskreis zwischen Hochschulvertretern und Personalverantwortlichen, denn: Es sei ja vor allem eine «Ungeübtheit in der Berührung», die es zu beseitigen gelte.

Konzerne suchen Praxiserfahrung

«Ein Direkteinstieg mit einem Bachelor-Abschluss ist durchaus möglich, wenn die Kandidaten Berufserfahrung (Praktika) aufweisen. Eine erfolgreiche Bewerbung fürs Traineeprogramm ist für Bachelor-Absolventen allerdings schwieriger, da sie hier im Wettbewerb mit Kandidaten mit Masterabschluss stehen.» (ABB)
«Für Bewerber mit einem universitären Bachelor-Abschluss kann es hilfreich sein, wenn sie bereits während dem Bachelorstudium praktische Erfahrungen gesammelt oder beispielsweise einen Auslandaufenthalt gemacht hatten.» (Roche)
«Bringt der Bachelor-Absolvent relevante Berufserfahrung gegenüber einem Master Absolvent ohne relevanter Berufserfahrung mit, wird die Berufserfahrung oft höher eingeschätzt.» (Swisscom)
«Zurich Schweiz kann sich vorstellen, dass sich die Arbeitsmarktfähigkeit von Universitätsabgängern mit einem Bachelor-Abschluss erhöhen würde, wenn sie während des Studiums Praktikumseinsätze leisten müssten. Wir erwarten generell von Absolventen, dass sie bereits erste praktische Erfahrungen gesammelt haben.» (Zurich Versicherung)

Quelle: Manuela Siegert, SRF ECO

Die Schweizer Fachmesse für haptische Werbung

Der Schweizer Bildungs- und Marketingexperte promoFACTS veranstaltete im Juni bereits zum 2. Mal die marke[ding] Schweiz, die Werbeartikelmesse für Händler und Industriekunden. Anspruch der Messe ist es, die Messeplattform mit einem klaren Fokus auf den Werbeartikel und die Vielseitigkeit der haptischen Werbung zu inszenieren und die Marktführerschaft in diesem Bereich auszubauen.

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marke[ding] Schweiz 16 in der Messehalle 1 in Luzern

Als Innovations- und Informationsplattform ist die marke[ding] Schweiz

Branchentreff, Impulsgeber und Symposium der Werbeartikelbranche. Sie zeigte das vielfältige Potential der visuellen und haptischen Werbung und bot dem Besucher einen weitreichenden Überblick über das Leistungsportfolio und den Einsatz gegenständlicher Werbeformen, Best Practice Beispiele und innovative Konzepte.

Die Messe fand als 1,5-tägige Veranstaltung erneut in der Zentralschweiz statt. Termin war der 1.-2. Juni 2016, Veranstaltungsort war die Messe Luzern, Halle 1.

Das Konzept der marke[ding] Schweiz ist u.a. auf Schweizer Trägeragenturen und Händlerpartner ausgerichtet. Diese nutzen die Plattform zu attraktiven Rahmenbedingungen und laden ihre Industriekunden zur Messe ein.

Alle 7 Trägeragenturen von der Premiere sind bei der Juniausgabe wieder dabei: Pandinavia AG, CPT AG, Polydono AG, Cadolino by comTeam AG, E7 Promotion GmbH, kw open AG und diewerbeartikel gmbh. Mittlerweile sind gemeinsame Werbeaktivitäten in der Umsetzung, um das definierte gemeinsame Ziel mit 1.200 Fachbesuchern zu erreichen.

Die Messe übersiedelte in diesem Jahr in die repräsentative Halle 1. Somit stand dem Veranstalter auch mehr Fläche zur Verfügung und alle Aussteller wurden gemeinsam auf einer gemeinsamen Ebene positioniert.

Begleitend zur Messe wurden in einem Auditorium spannende Vorträge und Workshops für die Besucher angeboten. Im Zentrum stand das Sinnes-Marketing und die Multisensorik.

Daten und Fakten

  • Fachmesse für haptische Werbung und multisensorische Kommunikation
  • 1 ½ tägige Messeveranstaltung mit Rahmenprogramm
  • Location: Messehalle 1 in Luzern
  • Besuchererwartung: 1200+
  • bedeutendster nationaler Messeevent zum Thema Werbeartikel und visuelle Kommunikation

  • Trendbarometer und Impulsgeber der schweizer Werbeartikellandschaft
  • Networking und get-together der schweizer Werbeartikellandschaft
  • Innovationen und neueste Trends, darunter viele Markenprodukte
  • rund 100 Aussteller zeigen über 10.000 Werbeideen
  • ausschließlich Fachbesucher (Einkauf, Marketing und Geschäftsführung)

Quelle: marke[ding] Schweiz

Darum kommt Apple Pay so früh zu uns

Apple schaffte es an der Entwicklerkonferenz, nationale Glücksgefühle auszulösen. Die Schweiz gehört neben Frankreich zu den wenigen europäischen Ländern, in denen Apple Pay bald an den Start geht. Bezahlen soll zu Beginn in Online-Shops oder auch bei Lidl und Aldi möglich sein.

Die für uns wichtigste Meldung der Entwicklerkonferenz WWDC: Apple Pay kommt in die Schweiz. Das ist bemerkenswert, weil wir gewohnt sind, bei neuen Diensten hinten anzustehen.

Meistens kommen erst die grossen europäischen Länder zum Zug – diesmal ist es für einmal anders.

Apple Pay Radio

Wieso hat Apple ausgerechnet die kleine Schweiz ausgewählt?

Ein Grund: Wir sind ein Land mit besonders vielen iPhones. Um Apple Paynutzen zu können, ist aber ein neues Modell nötig: 6s, 6 oder iPhone SE mit Touch ID, das via NFC-Funk mit dem Kassenterminal kommuniziert (Grafik: So funktioniert’s).

Ein anderer Grund: Wenn Apple mit der Einführung seines Bezahlsystems hierzulande noch länger wartet, könnte es bald zu spät sein. Denn mit Twint sind Postfinance und die Banken daran, ein Bollwerk gegen Apple Pay (und auch Google Wallet) zu errichten. An den Kassen der Coop-Läden sind sie bereits präsent und noch in diesem Jahr soll auch die Migros dazu kommen.

Bei den Grossverteilern Fuss zu fassen wird für Apple also mit reichlich Aufwand und Überzeugungsarbeit verbunden sein. Die hat Apple bei Aldi und Lidl bereits geleistet: Die beiden Discounter gehören zu den ersten physischen Geschäften, in denen wir per Apple Pay bezahlen können.

Bei Apple Pay benötigt der Benutzer eine Kreditkarte, über welche die Zahlung abgewickelt wird. So gesehen ist Apple Pay (wie auch Twint) einfach eine Bankkarte im Handy und ein Zahlsystem, bei dem neben den Kreditkartenfirmen noch eine dritte Seite Gebühren kassieren will. Wo genau für den Kunden die Vorteile liegen, wird sich noch zeigen müssen.

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Sind wir App-faul geworden?

Beim Bezahlen mit dem Handy ist also noch vieles offen. Es wundert deshalb nicht, dass Apple an seiner Entwicklerkonferenz das Thema nur kurz streifte.

Das grosse Geld macht Apple mit Apps. Allerdings: So häufig wie auch schon werden die nicht mehr heruntergeladen. Zwei Drittel der Smartphone-Nutzer installieren in einem typischen Monat nicht einmal eine einzige neue App auf ihrem Gerät, zeigt eine aktuelle Studie aus den USA. Die meisten Nutzer verbringen den Grossteil ihrer Zeit statt dessen mit einer einzigen «Lieblings-App».

In gewissem Mass sind wir also App-faul geworden. Ein Grund: Wir haben einen «Grundstock» an Apps auf unserem Smarphone installiert, mit dem wir unsere wichtigsten Bedürfnisse abdecken. Wozu also noch mehr?

App-Qualität soll besser werden

Für Apple ist diese Erkenntnis schmerzhaft. Denn die Firma verdient an jeder verkauften App mit – satte 30 Prozent. So kamen im letzten Jahr rund 20 Milliarden Dollar zusammen. Schon vor der WWDC hat Apple nun angekündigt, den Entwicklern künftig mehr Geld zu geben. Neu werden diese ab dem zweiten Jahr 85 Prozent der Einnahmen erhalten. Apples Beteiligung verringert sich auf 15 Prozent. Die Hoffnung: Dass so mehr attraktive Apps in den Appstore kommen, die uns aus der App-Faulheit befreien.

Neu werden Entwickler ihre Apps auch im Abo anbieten können. Das heisst, dass wir nicht nur beim ersten Installieren dafür zahlen, sondern nach einer bestimmten Zeit unser Abonnement der App erneuern müssen. Klingt zuerst nach Geldmacherei, könnte aber die Qualität der angebotenen Apps erhöhen. Denn für Entwickler wird es so attraktiver, eine App weiter zu entwicklen und regelmässig Updates anzubieten. Nur so lässt sich der Anwender motivieren, sein Abo weiterhin zu bezahlen.

Viermal grOSartig

An der WWDC schwärmten verschiedene Apple-Grössen auch über zwei Stunden lang ziemlich aufgeregt («excited») von Apples Betriebssystemen. OS X, das Betriebssystem für den PC, heisst neu macOS und reiht sich nun optisch nahtlos ein in die weitere Produktpalette mit iOS (iPhone), watchOS (Apple Watch) und tvOS (Apple TV). Apple bietet damit vier Plattformen, die alle nach mehr Apps rufen.

Um die Entwickler zu motivieren, diese auch zu programmieren, hat Apple verschiedene Massnahmen angekündigt. Zum Beispiel, dass der Zugang zur Sprachassistentin Siri geöffnet wird. Das bedeutet, dass Entwickler nun Sprachsteurfunktionen einfach in ihre eigenen Apps einbauen können.

Und auch beim «Home Kit» hat Apple die Unterstützung verbessert: Bereits heute sind weltweit rund 100 Heimautomatisierungs-Produkte mit der Plattform kompatibel. Entwickler können so Thermostate, Lichter, Jalousien, Türschlösser oder Videokameras an ihre Apps anbinden.

Apple sorgt für Nachwuchs

Und damit nicht nur heute, sondern auch in Zukunft genügend Programmierer Apps bauen, kündigte Apple ausserdem «Swift Playground» für den iPad an – eine vereinfachte und grafische Version der Programmiersprache «Swift».

Die Software wird gratis sein, so dass möglichst viele Kinder und Schüler den ersten Schritt zum Coding machen können – und später hoffentlich Apps entwicklen, die Apples wichtigste Einnahmequelle auch in Zukunft sprudeln lassen.

Quelle: Reto Widmer, SRF Digital

Gemeinsame Mobile-Payment-Lösung für die Schweiz beschlossen

Die fünf grössten Schweizer Banken Credit Suisse, PostFinance, Raiffeisen, UBS und ZKB, die Finanzinfrastrukturdienstleisterin SIX, und die Detailhändler Coop und Migros sowie Swisscom haben sich auf eine gemeinsame Lösung für ein Schweizer Mobile-Payment-System verständigt. Es verbindet die Stärken von Paymit und TWINT und bietet eine plattformunabhängige, wettbewerbsfähige und kundenfreundliche Lösung für alle Marktteilnehmer. Neben der Payment-Funktion sind Mehrwertleistungen massgebende Elemente der gemeinsamen Lösung. Die Zusammenlegung der beiden heutigen Systeme erfolgt im Laufe des Herbstes 2016. Nutzer und Händler von Paymit und TWINT können die zwei Systeme bis zur Migration auf die neue Plattform wie gewohnt einsetzen. Weiterentwicklung und Betrieb werden an ein eigenes Unternehmen übertragen, an dem die fünf grössten Banken und SIX beteiligt sein werden. Es wird von Jürg Weber präsidiert und von Thierry Kneissler als CEO geleitet.

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Die Zusammenlegung von Paymit‬ und TWINT‬ erfolgt im Lauf des Herbstes 2016 unter dem Namen TWINT. Für dich ändert sich vorerst nichts: Du wirst künftig von noch mehr Vorteilen profitieren können. Schön, dass du mit dabei bist! (TWINT)

Die neun Unternehmen haben Ende März 2016 ergebnisoffene Sondierungsgespräche für eine gemeinsame Mobile-Payment-Lösung angekündigt. Ziel der Gespräche war die Abklärung der Machbarkeit eines gemeinsamen, kundenfreundlichen mobilen Zahlungssystems, das rasch verbreitet und schweizweit sowohl im stationären Handel als auch bei Online-Einkäufen und weiteren Anwendungen verwendet werden kann.

Stärken beider Systeme gebündelt

Die beteiligten Unternehmen haben sich nun darauf verständigt, ein gemeinsames Mobile-Payment-System zu betreiben, das die Vorteile der beiden bisher getrennt betriebenen Systeme Paymit und TWINT vereint. Das neue System tritt unter der Marke «TWINT» auf. Es erfolgt ein umfassendes Re-Branding, das der gemeinsamen Schweizer Mobile Payment Plattform Rechnung trägt. Die gemeinsame Plattform steht allen Konsumentinnen und Konsumenten sowie sämtlichen Händlern offen – vom Grossverteiler bis zur Espresso-Bar, Banken, Herausgebern von Zahlkarten (Issuer), Abrechnungsunternehmen (Acquirer) sowie allen weiteren in- und ausländischen Marktteilnehmern. Sie ist kanalübergreifend an der Ladenkasse, im E Commerce, in Apps, an Automaten sowie zwischen Personen einsetzbar. «Wir arbeiten nun mit Hochdruck daran, die beiden Systeme zu migrieren und die gemeinsame Plattform allen Händlern und Endkunden im Laufe des Herbstes 2016 verfügbar zu machen», erklärt Thierry Kneissler, der als CEO das neue Unternehmen leiten wird. Die Plattform kombiniert die Stärken von Paymit und TWINT. Ausserdem kann jede Partnerbank, wie bei Paymit, ihre eigene Applikation im Co-Branding herausgeben, und dem Handel steht die Option von TWINT offen, eigene Kundenkarten ins System einzubinden. «Ich bin froh, dass unsere Anstrengungen für innovative digitale Lösungen im Finanzbereich hier zu einem gemeinsamen Ganzen geführt haben, wo wir das Beste aus den zwei Welten zusammenbringen konnten», meint Lukas Gähwiler, President UBS Switzerland.

„Das Beste aus Paymit und Twint auf einer Plattform. Wir gestalten damit das mobile Bezahlen selbst. Eine gemeinsame Schweizer Lösung war immer unser Ziel.“
Urs Schaeppi, CEO Swisscom

Weitreichende Funktionalitäten

Von der gemeinsamen Zahlungslösung profitieren insbesondere die Nutzer. Sie werden eine breite Akzeptanz im stationären Handel vorfinden, online und in Applikationen von Händlern einkaufen, Rechnungen begleichen und an Automaten Lebensmittel, Parkscheine, Skipässe sowie weitere Güter und Dienstleistungen bezahlen können. Auch Überweisungen unter den Nutzern werden weiterhin möglich sein. Zudem kann der Nutzer wählen, wie er seine mobile Zahlung begleichen will: Die neue Zahlungslösung akzeptiert sowohl die Anbindung eines Bankkontos als auch einer Kredit- oder Prepaidkarte sowie das Aufladen per Vorauszahlung (Prepaid). Auch die Händler profitieren von der gemeinsamen Lösung: Mehrwertleistungen, wie die Integration von Kundenkarten, Stempelkarten oder Promotionsrabatten (Mobile-Couponing) stehen interessierten Händlern und Kunden zur Verfügung. «Wir sind sehr erfreut, dass wir nun eine Lösung haben, die technologisch innovativ ist und bei der wir die unterschiedlichen Funktionalitäten von Paymit und TWINT zu Gunsten der Kundinnen und Kunden verbinden konnten», meint Alexandre Zeller, Präsident des Verwaltungsrates von SIX. Dank des gemeinsamen Standards entfällt eine Mehrfachintegration verschiedener Zahlungsverkehrslösungen und spart damit Investitionskosten für die Händler. Die Lösung ist technologisch offen, um vorhandene und zukünftige Übermittlungstechnologien wie Bluetooth, QRCode und NFC zu integrieren. Insbesondere lassen sich neben den TWINT-Terminals (Beacons) die ebenfalls vorhandenen Zahlterminals aller Anbieter in das System integrieren. Dies mit dem Ziel, eine möglichst rasche und weitreichende Marktdurchdringung zu erreichen. Auch Kleinsthändler oder
Dienstleistungsunternehmen können sich ohne grosse Investitionen ans System anschliessen. «Damit können wir den bundesrätlichen Auftrag, eine moderne Zahlungsverkehrs-Infrastruktur bereitzustellen, gemeinsam mit unseren Partnern aus dem Schweizer Finanzplatz und des Handels erfüllen», ergänzt Hansruedi Köng, CEO von PostFinance.

„Diese innovative Bezahllösung bietet viele Vorteile. Mit ihr haben unsere Kundinnen und Kunden eine neue Möglichkeit, einfach und sicher in den Filialen oder im Internet zu bezahlen oder auch Überweisungen zu tätigen.“
Joos Sutter, Vorsitzender der Geschäftsleitung Coop-Gruppe

Eigenes Unternehmen

Der Betrieb der gemeinsamen Lösung wird an ein eigenes Unternehmen namens TWINT AG übertragen, an dem die fünf grössten Banken und SIX beteiligt sind und das weiterhin mit bestehenden strategischen Partnern, u.a. Swisscom für die Bankenintegration, zusammenarbeiten wird. Der VR setzt sich aus dem Kreis der Eigentümer zusammen. Das Präsidium wird Jürg Weber, Division CEO Payment Services von SIX übernehmen. Als CEO wird Thierry Kneissler das Unternehmen führen. Er leitet heute die TWINT AG, ein Tochterunternehmen von PostFinance. «Es wird nun darum gehen, den gemeinsamen Willen zu einem innovativen und wettbewerbsfähigen mobilen Zahlungssystem durch verlässliche Strukturen und Prozesse schnell in eine qualitativ hochstehende Dienstleistung für die Konsumenten und den Handel zu überführen», ergänzt der designierte Verwaltungsratspräsident Jürg Weber. Die Umsetzung der gemeinsamen Mobile-Payment-Lösung bedarf noch der Zustimmung der
zuständigen Wettbewerbsbehörden. Vorbehältlich dieser Entscheide soll eine gemeinsame Lösung im Laufe des Herbstes 2016 einsatzbereit sein. Bis zu diesem Zeitpunkt können Nutzer von Paymit und TWINT unverändert die Dienste und Funktionen ihres Anbieters in Anspruch nehmen. Bestehende Verträge sollen lösungsabhängig überführt werden.

Quelle: Twint