Regionalität und guter Service sind beste Mittel gegen «Lädelisterben»

Immer mehr kleine Geschäfte geben auf, es gibt aber auch Unternehmen, die dem «Lädelisterben» trotzen.

Mit einem freundlichen «Hallo» wird man im Gemüse- und Gartencenter von Lazo Lipovac empfangen. Seit 28 Jahren führt er gemeinsam mit seiner Frau den kleinen Laden in der Steckergass in Schaan. Ähnlich den früheren Tante-Emma-Läden findet man dort auf kleiner Verkaufsfläche ein kunterbuntes Warenangebot – oder eben alles, was für den täglichen Bedarf notwendig ist.

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Lazo Lipovac bedient seine Kunden persönlich, ein freundliches Gespräch darf dabei nicht fehlen. (Foto: Paul Trummer)

Während viele kleine Geschäfte bereits zugesperrt haben und die restlichen über die Konkurrenz der Grossen stöhnen, ist sich Lipovac seiner Stärken bewusst: «Der Preis ist nicht alles, entscheidend ist auch die Qualität der Waren.» Wenn möglich, bezieht er seine Produkte aus dem Inland oder der Region. Die Waren sollen frisch, möglichst unbehandelt oder nur wenig gespritzt sein, das ist ihm besonders wichtig. «Wir vertrauen dabei auf die Produzenten aus der Region, mit denen wir schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten», sagt der Geschäftsmann. Wie wichtig heutzutage Transparenz ist, weiss auch Albert Ospelt, Inhaber der Ospelt AG: «Die Kunden informieren sich immer öfter über die Herkunft der Produkte und konsumieren heute bewusster. Besonders im Lebensmittelbereich punkten Qualität und Regionalität.» Viele Kunden wollen aber nicht nur die Herkunft der Produkte kennen, sondern auch ihr Gegenüber. Lazo Lipovac bedient jeden seiner Kunden persönlich und neben einem freundlichen Gespräch gibt es meist auch eine kleine Aufmerksamkeit dazu. «Wo ma mi kennt» heisst es ebenfalls bei der Ospelt AG. «Unser Geschäft hat ein Gesicht», sagt Albert Ospelt, der Wert darauf legt, dass seine Mitarbeiter die Kunden gut und individuell beraten. Ein Mehrwert, den grosse Handelsketten nicht bieten können. «Die Packung im Kühlregal spricht nicht mit dir», formuliert Ospelt überspitzt und räumt den kleinen und mittleren Unternehmen gleichzeitig gute Zukunftschancen ein, wenn diese «ein offenes Ohr für die Wünsche der Kunden haben, aber auch Investieren und das Unternehmertum nicht aus den Augen verlieren».

Den Anschluss nicht verpassen

Ein Beispiel, wie man auf Kundenwünsche reagiert, zeigt die Bäckerei Mündle. Neben dem klassischen Frühstücksbrot bietet die Bäckerei mittlerweile kleine Zwischenmahlzeiten für untertags sowie an drei Standorten komplette Menüs am Mittag an. «Mit Brotbacken allein ist es heute nicht mehr getan», argumentieren die Inhaber Kathrin und Pirmin Mündle. Neben den gesellschaftlichen Strukturen – es gibt mehr Singlehaushalte, mehr berufstätige Frauen und ein grösseres Freizeitangebot – habe sich auch das Konsumverhalten der Menschen mit der Zeit verändert. «Unsere Kunden wollen schneller verpflegt werden, auf diese Wünsche und Bedürfnisse müssen wir eingehen», ist sich das Unternehmerpaar einig. Um den sinkenden Umsatzzahlen entgegenzuwirken, haben sich Mündles vor einem Jahr für die Expansion und ein weiteres Standbein entschieden. «Hätten wir die Umstellung nicht vollzogen, kämen die Menschen vielleicht auch nicht mehr, um Brot zu kaufen», vermutet Mündle.

Drei Beispiele, die zeigen, dass auch kleinere und mittlere Unternehmen neben den Grossen bestehen können. Lazo Lipovac: «Die Kunden kommen gerne zu uns in den Laden und wir hören immer wieder wie schön, dass es so etwas noch gibt.»

Quelle: Silvia Böhler, Liechtensteiner Volksblatt

Schweizer Online-Kunden kaufen am liebsten auf Rechnung

Beim Online-Einkauf ist die Schweizer Kundschaft kaum von einer Bestellung per Rechnung abzubringen. Das geht aus neuen Verbandszahlen zum Versandhandel hervor. Demnach wählen über 80 Prozent der Käufer im Online-Handel die Rechnung als Zahlungsmethode.

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Die Zah­lungsmög­lich­keiten mit der Kreditkarte werden ständig erweitert (Cashless).

Lediglich 12 Prozent der Schweizer Interneteinkäufe erfolgen mit der Kreditkarte, wie Patrick Kessler, Verbandspräsident des Schweizerischen Versandhandels, am Mittwoch an einem Medienanlass in Zürich erläuterte. Rund 4 Prozent würde über Debitkarten beziehungsweise über Vorauskasse abgewickelt.

Im Ausland zeigt sich dagegen ein völlig anderes Bild. Laut Kessler liegen jenseits der Schweizer Landesgrenzen die Zahlungen mit Kreditkarten hoch im Trend. Über 90 Prozent der Einkäufe im Online-Handel erfolgen mit dem Plastikgeld. Die Zahlungsmethoden per Rechnung sowie Debitkarten oder Vorauskasse spielten fast keine Rolle. In der Schweiz schlummere bei Kreditkartenzahlungen deshalb noch viel Potenzial.

Als Gründe für das besondere Einkaufsverhalten der Schweizer führte er ausserdem an, dass die Rechnung quasi ein helvetisches Kulturgut zu sein scheint. Zudem änderten Kunden ihre Zahlungsgewohnheiten nur sehr langsam. Dabei spielten insbesondere Faktoren wie Vertrauen und Technologie ein grosse Rolle.

Zwar entscheidet bei einem Online-Einkauf der Kunde über seine Zahlungsmethode, allerdings könnten Händler – etwa mit Rabatten oder Zuschlägen – die Auswahl beeinflussen.

2014 hat sich der Online-Bestellwert in der Schweiz um rund 11 Prozent auf zirka 6 Milliarden Franken gegenüber dem Vorjahr erhöht. Bei diesen Zahlen ist allerdings zu berücksichtigen, dass gerade Preisnachlässe im Internet für Schweizer Kundschaft dazu führen, dass der Bestellwert nicht so stark steigt, wie das eigentliche Einkaufsvolumen.

Quelle: Liechtensteiner Volksblatt

«Ich habe gar nicht überlegt, ob ich das auch in der Schweiz bekomme»

Schweizer Kunden strömen zum Einkaufen über die Grenze. Dort suchen sie Einkaufserlebnis und günstige Preise. Schweizer gestehen, dass sie die deutschen Preise nicht einmal mehr mit denen zu Hause vergleichen. Nur eine Branche blüht weiter.

Ein bisschen was von allem: Bei Einkaufstouristen fallen die Einkäufe meist etwas grösser aus. | Bild: Carsten Rehder (dpa)

Ein bisschen was von allem: Bei Einkaufstouristen fallen die Einkäufe meist etwas grösser aus. | Bild: Carsten Rehder (dpa)

Die Autos stauen sich in Richtung Konstanzer Innenstadt. Das ist seit Jahren samstäglicher Alltag in Kreuzlingen vor der Grenze. In der Schlange, die zu den Parkplätzen und Tiefgaragen in Konstanz steuert, stehen fast ausnahmslos Autos mit Schweizer Kennzeichen.

Viele Produkte sind bei einem für Einkaufstouristen idealen Währungsverhältnis von fast 1:1 fürs Schweizer Portemonnaie verlockend billig. Dazu kommt die Mehrwertsteuer-Rückerstattung.

Für einen Einkauf im Euroland fahren die Einkaufstouristen 100 Kilometer und mehr. In Konstanz tragen sie mehr als ein Drittel zum Umsatz der Geschäfte bei, mehr als in jeder anderen deutschen Stadt entlang der schweizerischen Grenze.

Umsatz des Schweizer Einzelhandels sinkt immer weiter

Die Einkaufstouristen geben insgesamt rund 10 Milliarden Franken jährlich im Ausland aus, alle Grenzregionen und die Online-Einkäufe eingerechnet. Das sind 10 Prozent des Schweizer Einzelhandelsumsatzes, berechnete das Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz.

Ihr gehören Migros, Coop, Manor und Denner an. Der Umsatz des Schweizer Einzelhandels ist im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent gesunken, wie das Marktforschungsinstitut GfK Anfang August mitteilte. Der Hauptgrund liegt laut GfK beim Einkaufstourismus.

Umsatzsteigerungen nur im Bereich Fast Food

2014 war das Geschäft noch geringfügig gewachsen. «Eine leichte Zunahme gibt es im Bereich Food», fasst Karin Keller-Sutter, Präsidentin des Verbandes Swiss Retail, dem 40 Detailhandelsunternehmen angehören, das Ergebnis des letzten Jahres zusammen.

Im Lebensmittelbereich ist der Markt zunehmend gesättigt. Auch bei Kleidung und Schuhen macht sich eine Konsolidierung bemerkbar. Zu diesem Schluss kommt der Retail Outlook der Credit Suisse auch für 2015.

Detailhandels-Experte Gotthard Wangler sagt sogar: «Der Detailhandel wächst vor allem wegen der Zuwanderer.» Am Bruttoinlandprodukt (Bip) als Indikator für die Leistung der Volkswirtschaft hat der private Konsum einen Anteil von rund 60 Prozent. Der Detail- oder Einzelhandel steuert aber nur 5 Prozent bei.

Autohandel kaum betroffen

Nach wie vor positiv entwickelt sich die Autobranche. Autokäufe sind in den Zahlen zum Einkaufstourismus nicht enthalten. «Ein Grossteil der Schweizer Autofahrer kauft sein Fahrzeug zweifellos in der Schweiz», sagt Katrin Portmann, Sprecherin des Autogewerbe-Verbandes Schweiz.

Der Anteil der Direktimporte beträgt nach Angaben des Importverbandes Auto Schweiz nur 7 Prozent. Konsumenten, die in der Schweiz einen neuen Mittelklassewagen für 28.000 Franken kaufen, bezahlen im Preis enthalten 8 Prozent Mehrwertsteuer oder 2240 Franken.

Wenn sie mit dem Wagen während eines Jahres einmal pro Monat im Ausland für 100 Franken einkaufen, entgehen der Schweiz im Vergleich nur 96 Franken an Mehrwertsteuer.

Schweizer Geschäfte könnten länger geöffnet haben

Dennoch bewog der Einkaufstourismus den Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi zur Beantragung einer Gesetzesänderung. Geschäfte sollen während der Woche von 6 bis 20 Uhr und an Samstagen von 6 bis 19 Uhr geöffnet haben dürfen.

Bundesrat und Parlament haben dem Anliegen zugestimmt. Verlängerte Öffnungszeiten sollen zum Einkaufsbummel zu Hause verlocken und so den Kaufkraftabfluss eindämmen. Man müsse von mindestens 500 Millionen Franken ausgehen, die durch Einkaufstourismus an Mehrwertsteuereinnahmen entfallen, erklärt die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter.

Gemessen an den Gesamteinnahmen des Bundes von rund 22 Milliarden Franken jährlich machen die 500 Millionen Franken einen Anteil von etwas mehr als 2 Prozent aus.Seit dem 1. Januar 2015 gelten neue Regelungen für bestimmte Branchen, die nach groben Schätzungen der Schweizer Regierung 4 Millionen Franken mehr in die Steuerkasse spülen werden.

Warum die Schweiz nicht günstiger verkaufen kann

Dennoch sagt auch Gotthard Wangler: «Der Einkaufstourismus ist schädlich für die Schweizer Wirtschaft.» Denn wer günstiger im grenznahen Ausland einkaufe, wolle in der Schweiz trotzdem das Lohnniveau und die Qualität beibehalten. 95 Prozent des Einkaufstourismus seien im Preis begründet.

Karin Keller-Sutter betont, dass die höheren Preise in der Schweiz nicht durch Willkür des Handels verursacht seien. «Die höheren Preise sind auf Handelshemmnisse, höhere Logistik- und Werbekosten und auf die administrierten Preise staatsnaher Betriebe zurückzuführen.»

«Gleichzeitig hebt sie die wichtige volkswirtschaftliche Rolle der Branche hervor: Der Detailhandel sei nach dem Gesundheitswesen mit 300.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber und bildet mit 17.000 Auszubildenden am meisten Lehrlinge aller Branchen aus.

Derart grosse Umsatzeinbrüche wirken sich deshalb auf den Arbeits- und Ausbildungsmarkt aus und betreffen damit die ganze Volkswirtschaft und alle Bürger, die ja gleichzeitig auch Konsumenten sind.»

Konsumenten rechnen nicht genau

Die Konsumenten aus der Schweiz machen die Rechnung nicht unbedingt genau. Das zeigt eine Kurzumfrage in Konstanz. Ein Mann mit St. Galler Kennzeichen sagt, er habe ein Produkt im Prospekt gesehen und gar nicht überlegt, ob er das auch in der Schweiz bekomme.

Ein Deutscher mit Thurgauer Kennzeichen erklärt, die Auswahl sei größer und die Preise seien günstiger. Er spare mit diesem Einkauf, bejaht er, jedoch nicht, um das Geld für etwas anderes auszugeben, er spare einfach. «Davon profitiert möglicherweise die Autobranche, aber beispielsweise auch der Wellnessbereich», vermutet Gotthard Wangler.

Sarah Stalder, Geschäftsführerin des Konsumentenschutzes, glaubt, dass die Konsumenten das eingesparte Geld wieder im Ausland ausgeben, denn: «Leute, die gemerkt haben, welch grosse Einsparungen sie mit dem Auslandeinkauf erreichen, werden ihn zur Gewohnheit machen», so Stalder.

Dagegen helfe lediglich, die Preise für Importprodukte dem umliegenden Ausland anzugleichen. Für Ueli Mäder, Soziologe an der Universität Basel, zählen für die Einkaufstouristen neben dem Preisargument noch weitere Motive wie etwa die andere Umgebung. Der Wissenschaftler verweist darauf, dass «ein Feriengefühl aufkommen kann, wenn ich in einer andern Währung bezahlen muss».

Quelle: Madeleine Stäheli Toualbia, Südkurier