Digitalisierung: Raubt uns die Maschine die Arbeit?

Ein Heer von Postboten, Taxichauffeuren und Büroangestellten wird bald ohne Job sein, da ein Computer ihre Arbeit schneller und besser erledigt. Das Paket wird von einer Drohne ausgeliefert, Autos finden ihr Ziel selbst. Ist das die Zukunft unserer Arbeit?

Die Digitalisierung ist in vollem Gange und soll laut Experten jeden zweiten Job in Zukunft überflüssig machen. Die vierte industrielle Revolution pflügt gerade die Gesellschaft und Wirtschaft um und kreiert eine neue Arbeitsrealität.

Technischer Fortschritt ging in der Vergangenheit stets mit neuem Wohlstand einher. Wie wird es dieses Mal sein? Lässt diese Revolution viele Verlierer zurück, die den Anforderungen der künftigen Arbeitswelt nicht mehr genügen?

Oder sind einfach andere Qualitäten gefragt? Solche, die Maschinen nur schwer übernehmen können, wie etwa Menschenkenntnis, Verhandlungsgeschick oder Überzeugungskraft?

Trifft es die Kassiererin, die durch den Roboter ersetzt wird? Oder werden die Hierarchien flacher und es braucht den Chef nicht mehr?

Im «Club» bei Karin Frei diskutieren die Gäste darüber, wie gut die Schweiz für die digitale Zukunft gerüstet ist, welche Berufe dereinst unsere Jungen ausüben und ob es grundlegende Reformen braucht.

Barbara Josef, Unternehmerin, begleitet Veränderungsprozesse in Firmen
Amanda Sauter, Grafikdesignerin und Jungunternehmerin
Lino Guzzella, Präsident ETH Zürich, Thermotroniker
Corrado Pardini, Gewerkschafter Unia (Leitung Sektor Industrie), Nationalrat SP/BE
Joël Luc Cachelin, Ökonom, Gründer Wissensfabrik

Positionen:

Barbara Josef: «Das Digitale Zeitalter macht uns nicht zu Opfern. Es bietet uns die einmalige Chance, Arbeit neu zu denken und neu zu verhandeln.»

Amanda Sauter: «Vor Veränderungen habe ich keine Angst. Veränderungen sind ein konstanter Teil unseres Lebens und machen dieses erst spannend.»

Lino Guzzella: «Der Wert des Wissens fällt, der Wert des Denkens steigt. Für die Bildung der Zukunft heisst das, wieder mehr Freiräume schaffen, Kreativität fördern und Raum zum Schaffen eigener Projekte geben.»

Corrado Pardini: «Man darf sich die Digitalisierung nicht nur technisch innerhalb der Fabriktore vorstellen. Wir stehen auch gesellschaftlich vor grossen Umwälzungen. Zentral werden Fragen wie das Eigentum der eigenen Daten, das Recht auf Arbeit und die Unabhängigkeit der Demokratie von multinationalen Konzernen.»

Joël Luc Cachelin: «Es wird weniger Arbeit geben, weil jene, die entsteht, kompensiert nicht, was wegfällt. Es werden höhere Anforderungen an uns gestellt werden. Wir werden nicht umhin kommen, grössere gesellschaftliche Reformen anzugehen, vor allem in Sachen Sozialversicherungen und Bildung.»

Quelle: Der Club, SRF

Meyers Sparprogramm – Digitalisierung vernichtet die SBB-Jobs

Bis 2020 will SBB-Chef Andreas Meyer 1400 Jobs abbauen. Möglich ist das dank Automatisierung und neuen Technologien. Der Mensch wird zunehmend durch Computer ersetzt – auch in den Teppichetagen.

Die Digitalisierung wird unzählige Jobs vernichten. Wissenschaftler und Experten warnen immer wieder davor. Gefahr droht aber nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt schon. Das zeigt etwa der von SBB-Chef Andreas Meyer (55) verkündete Abbau. 1400 Jobs will er einsparen – dank höherer Effizienz durch die Automatisierung.

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SBB-Chef Andreas Meyer will die SBB umbauen und mit weniger Personal auskommen. KEYSTONE

Das Beispiel der SBB zeigt: Betroffen sind nicht nur einfachere Jobs. Auch qualifizierte Kräfte in Büros und den Teppichetagen braucht es weniger. Da hilft auch ein Diplom nicht. Computer und Roboter schalten und walten schneller, zuverlässiger, ohne Pausen – und vor allem ohne Lohn.

So streichen die SBB in der Administration, Verwaltung und auf Führungsebene 500 Stellen. Die seien unnötig hat die US-Firma McKinsey den SBB vorgerechnet. Dabei schuf Meyer vor neun Jahren in der Verwaltung tausende neue Jobs. Heute sagt er: «Dank neuer Technologie können wir nun mit weniger mehr machen.»

Das gleiche Schicksal teilen etwa die Zugverkehrsleiter. Sie sitzen in der Zentrale und sind für den reibungslosen Ablauf des Bahnbetriebs zuständig. Eine wichtige Aufgabe, vor allem für die Sicherheit des Bahnverkehrs. Nun werden ganze 250 Arbeitskräfte auf einen Schlag nicht mehr gebraucht. Die SBB wollen auch hier stärker auf Computer setzen: «Aufgrund der automatisierten Zugsteuerung braucht es weniger Personal in der Zugverkehrsleitstelle», sagt Meyer zu BLICK.

Abbau an den Schaltern

Ähnlich ergeht es dem Rangierpersonal (minus 165 Stellen) und den Verkäufern: An den Schaltern gehen 220 Jobs verloren. Zwar wünschen sich gerade ältere Personen nach wie vor bediente Schalter, für die jüngeren Generationen sind solche laut SBB aber überflüssig geworden: Sie kaufen Tickets direkt via Smartphone. Wozu also noch teures Schalterpersonal anstellen, denkt sich die SBB-Spitze. Selbst wer ein GA besitzt, muss heute zum Verlängern nicht mehr an den Schalter. Beim Swisspass erneuert sich das Abonnement automatisch.

Angesetzt wird der Rotstift auch bei Lokführern von Güterzügen (minus 90 Stellen) und bei weiteren nicht näher ausgewiesenen Berufsgruppen innerhalb den SBB (minus 140 Stellen). Neben dem Abbau sollen aber auch 200 neue Stellen entstehen. Aufgestockt wird bei Zugbegleitern (plus 60), beim Reinigungspersonal und bei den Handwerkern (plus 60) sowie bei Lokführern im Personenverkehr (plus 80).

Zukunft ohne Lokführer

Allerdings ist selbst die Zukunft der Lokführer ungewiss. Auch ihr Job könnte der Digitalisierung zum Opfer fallen: Die Südostbahn (SOB) etwa plant auf ihrem Streckennetz einen Versuch mit Zügen ohne Lokführer. Das Pilotprojekt soll in den nächsten drei Jahren starten. So weit sind die SBB zwar noch nicht. Auf Nebenlinien könne man sowas testen, sagt Meyer. Aber Projekte die irgendwann in der Zukunft kämen, wolle er nicht zu früh schon ankünden.

Quelle: Bastian Heiniger, Blick.ch/Ringier AG

Schweizer Universitäten: Bologna-Reform ist nur Fassade

Vor 15 Jahren hat die Schweiz die Bologna-Reform in ihren Hochschulen eingeführt. Die hohen Ziele, die man sich gesteckt hat, sind grösstenteils nicht erreicht worden. Kein Wunder, denn die Schweizer Universitäten haben nur eine Schein-Reform durchgeführt.

Menschen sollten jünger in den Arbeitsmarkt, Absolventen sollten «arbeitsmarktfähiger» werden, die Bildungskosten sollten sinken. Unter anderem diese Ziele setzte sich die Schweiz, als sie 2001 begann, die Bologna-Reform in ihren Hochschulen einzuführen. Sie sind allesamt nicht erreicht.

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Das Universitätsstudium: Dient es der Selbstentfaltung? Oder der effizienten Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt? (Foto: SRF)

1. Das Alter der Universitäts-Absolventen bewegt sich, wie eh und je, um die 27 Jahre. Auch an Fachhochschulen ist das Alter nur geringfügig gesunken: von 26,8 Jahre im Jahr 2001 auf 26,6 Jahre im Jahr 2015.

2. Absolventen von Universitäten werden von Konzernen nicht als praxisnah wahrgenommen, vor allem nicht die Bachelor-Absolventen. Eine Anfrage von «ECO» bei Swisscom, Roche, ABB und Zurich Versicherung zeigt: Erst die Praxiserfahrung macht Absolventen interessant (s. unten).

3. Die Bildungsausgaben pro Person in der Schweiz sind fast um die Hälfte gestiegen. In der Tertiärstufe fallen durchschnittlich 31‘000 Franken pro Kopf an.

«Kein Akademiker wollte die Bologna-Reform wirklich», sagt Antonio Loprieno. Er war bis 2015 Präsident der Schweizer Hochschulrektorenkonferenz. Die Schweizer Universitäten waren von Anfang an in Aufruhr, als sich der europäische Hochschulraum abzeichnete. Sie hielten fest, dass die Idee der Reform hierzulande «nicht akzeptabel» sei. Universitätsrektoren sollen gar versucht haben, den befugten Staatssekretär, Charles Kleiber, von der Unterzeichnung abzuhalten, wie er der «Zeit» berichtete.

In mehreren europäischen Ländern, darunter auch die Schweiz, gingen Studenten auf die Strasse und wehrten sich gegen «Bologna». In der Kritik stand vor allem die Absicht, die Hochschulen der Wirtschaft näherzubringen.

Bachelor, Master, ECTS

Heute gelten überall in Europa dieselben Abschlüsse. Studiengänge enden mit einem Bachelor- oder einem Master-Abschluss. Mit so genannten ECTS-Punkten sind Kurse miteinander vergleichbar geworden. Für Studenten erleichtert das die internationale Mobilität – und auch jene zwischen Universitäten im Inland und einzelnen Fächern.

Zumindest in der Theorie. In Wahrheit verhalten sich die heutigen Studenten an Schweizer Universitäten aber wie jene der Vor-Bologna-Ära. Sie schliessen in 9 von 10 Fällen einem Bachelor einen Master an. Sie verbleiben zu 75 Prozent an derselben Universität. Und zwei Drittel von ihnen macht in demselben Fach weiter.

Selbstkritik der Universitäten

Antonio Loprieno stand nicht nur der Schweizer Hochschulrektorenkonferenz vor, er war zudem zuständig, das Bachelor-System an der Universität Basel einzuführen. Dabei hatte er gerade dem US-amerikanischen Hochschulsystem den Rücken gekehrt, um sein Fach Ägyptologie wieder «richtig» zu betreiben, sagt er im Interview mit «ECO».

Rückblickend gesteht er ein, die Schweizer Universitäten hätten sich nur den Anstrich einer Veränderung gegeben: «Es bleibt eine systemische Unschönheit, dass wir eine Reform in formaler Hinsicht herbeigeführt haben, aber weniger in inhaltlicher Hinsicht.» Und: «Eine vollkommene Reform hätte impliziert, dass man auch an den Studieninhalten arbeitet, und das hat man nicht gemacht. Man hatte keine Zeit, und man hatte ehrlich gesagt auch keine Lust, denn wir sind mit den Inhalten, die wir hatten, auch einigermassen zufrieden gewesen.»

Antonio Loprieno veröffentlicht im Oktober ein Buch mit dem Titel «Die entzauberte Universität». Darin widmet er auch dem «Mythos Bologna» ein Kapitel.

Humboldtsches vs. angelsächsiches Modell

Damit spricht er den Kern des Problems an: Die Schweiz hat eine andere Hochschultradition als jene, die Bologna zugrunde liegt. Hier gilt das Humboldtsche Bildungssystem: Darin ist die Ausbildung eine Einheit, nicht unterbrochen, immer im selben Fach. Bologna dagegen ist vom angelsächsischen System geprägt. Darin haben Bachelor und Master unabhängig voneinander ihren Wert.

Antonio Loprieno erklärt den Unterschied an einem Beispielfach: «Im angelsächsischen Bereich ist das Studium Informatik auf Bachelor-Ebene in sich geschlossen. Und es ermöglicht das Studium auf Master-Ebene auch in anderen Disziplinen, in denen Informatik gebraucht wird. Man kann nach einem Informatikstudium in der Schweiz eigentlich nur Informatik weiterstudieren. Und in den USA kann man vielleicht Physik, Digital Humanities oder Chemie studieren.»

«Das wollte Bologna nicht»

Neue Form, alter Inhalt: Für Matthias Mölleney ist es höchste Zeit, dass die Schweiz beginnt, die Vorzüge des Bologna-Systems zu verstehen und umzusetzen. Der Leiter des Zentrums für Personalmanagement und Führung an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich sagt: «Was wir häufig bemerken: An der Universität wird der Bachelor-Abschluss gemacht, und dann wird den Studierenden geraten, sie sollen doch gleich anschliessend, wenn sie schon dabei sind, den Master-Abschluss machen. Und das ist eigentlich genau das, was Bologna nicht wollte, sondern zwischen dem Bachelor und dem Master sollte Praxiserfahrung gesammelt werden.»

Er sieht die Verantwortung aber auch bei seiner eigenen Zunft: «Wir Personalchefs müssen stärker noch darüber nachdenken – vielleicht gemeinsam mit den Unis – wie wir diesen Praxisteil einbauen können. Neuerdings sagt man Onboarding-Programme, um diese Praxis zu erlernen. Dann habe ich natürlich eine viel bessere Passung. Jemand mit einem universitären Abschluss plus Praxis, das wäre das Optimale.»

Er plant nun einen Arbeitskreis zwischen Hochschulvertretern und Personalverantwortlichen, denn: Es sei ja vor allem eine «Ungeübtheit in der Berührung», die es zu beseitigen gelte.

Konzerne suchen Praxiserfahrung

«Ein Direkteinstieg mit einem Bachelor-Abschluss ist durchaus möglich, wenn die Kandidaten Berufserfahrung (Praktika) aufweisen. Eine erfolgreiche Bewerbung fürs Traineeprogramm ist für Bachelor-Absolventen allerdings schwieriger, da sie hier im Wettbewerb mit Kandidaten mit Masterabschluss stehen.» (ABB)
«Für Bewerber mit einem universitären Bachelor-Abschluss kann es hilfreich sein, wenn sie bereits während dem Bachelorstudium praktische Erfahrungen gesammelt oder beispielsweise einen Auslandaufenthalt gemacht hatten.» (Roche)
«Bringt der Bachelor-Absolvent relevante Berufserfahrung gegenüber einem Master Absolvent ohne relevanter Berufserfahrung mit, wird die Berufserfahrung oft höher eingeschätzt.» (Swisscom)
«Zurich Schweiz kann sich vorstellen, dass sich die Arbeitsmarktfähigkeit von Universitätsabgängern mit einem Bachelor-Abschluss erhöhen würde, wenn sie während des Studiums Praktikumseinsätze leisten müssten. Wir erwarten generell von Absolventen, dass sie bereits erste praktische Erfahrungen gesammelt haben.» (Zurich Versicherung)

Quelle: Manuela Siegert, SRF ECO

Paymit und Twint raufen sich zusammen

Seit letzten März üben Postfinance, die Betreiberin von Twint und das Paymit-Konsortium bestehend aus SIX, UBS und der Zürcher Kantonalbank (ZKB) den gemeinsamen Schulterschluss, wie auch finews.ch damals berichtete.

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Die Gespräche zwischen den potenziellen Partner laufen. Erste offizielle Ergebnis werden in den kommenden Wochen erwartet (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Ursache des überraschenden Zusammengehens ist Apple. Der amerikanische Unterhaltungselektronik-Konzern tritt mit der eigenen Bezahl-App Apple Pay in den Schweizer Markt ein. Um gegen die geballt Kraft von Apple eine Chance zu besitzen, ist die Bündelung der Ressourcen von Twint und Paymit unumgänglich.

Einheitliche Lösung in Griffnähe

Nun stehen die Verhandlungen für eine gemeinsame Bezahl-Lösung zwischen Twint und Paymit offenbar kurz vor dem Durchbruch, wie die «Sonntagszeitung» (SOZ) in der aktuellen Ausgabe schrieb.

Laut mit den Verhandlungen vertrauten Personen hätten sich die Parteien in wichtigen Punkten geeinigt und technische Lösungen gefunden, hiess es weiter. Nun gehe es noch darum, die organisatorische Struktur hinter der gemeinsamen App festzulegen.

Postfinance am kürzeren Hebel

An einer gemeinsamen Lösung besonders interessiert sei einerseits der Detailhandel. Dieser fürchte den Aufwand durch verschiedene Systeme, so die SOZ.

Anderseits zielten die Banken auf ein einheitliches System. Laut Insidern müsse nun wohl Postfinance einlenken. Das Unternehmen, das jüngst der Schweizerischen Bankiervereinigung beigetreten ist, hat mit Twint aktuell die am weitesten entwickelte Eigenlösung. Das Bezahl-System steht bereits beim Schweizer Grossverteiler Coop im Einsatz.

Die Topmanager der Postfinance machen laut dem Bericht hinter den Kulissen Druck, weil sie die Erlaubnis wollen, Kredite vergeben zu dürfen. Das ist der Post heute verboten. Deswegen wolle man bei der App-Frage vermutlich keinen Goodwill verspielen, hiess es weiter.

Quelle: Finews

Diesen 19 IT-Jobs gehört die Zukunft

Die Wirtschaft verlagert sich zunehmend in den virtuellen Raum. Während alte Berufe verschwinden, wächst der Jobkatalog im IT-Bereich. 19 Tätigkeiten, die 2020 sehr gefragt sein werden.

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Arbeit im Serverraum: Mit dem Fortschritt ändern sich die Berufsbilder. Keystone

Berufsbilder haben sich in den letzten Jahrhunderten immer wieder verändert. Ganze Branchen sind untergegangen oder haben sich weiterentwickelt. So auch die IT-Industrie. Ende der 60er Jahre haben die Gründer von Apple und Microsoft die Ära des «Personal Computing» eingeleitet. Der Zugang zum Internet war Mitte der 90er bahnbrechend: Computer waren für die breite Masse plötzlich interessant.

Mit dem Fortschritt ändern sich auch die Berufsbilder. Während in den Anfängen IT-Spezialisten quasi noch alle Aufgaben selbst meistern mussten, ist der Jobkatalog mittlerweile breit gefächert. Eine Studie zeigt, wie sich die Berufe in der IT in den nächsten fünf Jahren entwickeln werden.

Spezialisierung und Outsourcing

Die Studie des Personalvermittlers Hays kommt zu dem Schluss, dass der Arbeitsdruck weiter steigen wird und dass sich Fachkräfte immer weiter spezialisieren müssen. Zudem werden die Unternehmen weiterhin outsourcen, da viele sich die durch den Fachkräftemangel immer teurer werdenden Spezialisten nicht mehr leisten können.

Neben bekannten Berufen werden sich neue Jobs entwickeln, die vorher nebenbei von anderen Angestellten, etwa von Systemadministratoren, übernommen wurden. Mit welchen dieser neuen Berufe ihr in einigen Jahren besonders gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben dürftet, verraten wir hier:

Security Spezialist

Der Security Specialist kümmert sich um akute Lücken in den Netzwerken von Unternehmen und sichert so die Firmen-IT gegen fremde Angriffe ab. Üblicherweise kennt er sich mit unterschiedlichsten Plattformen und Systemen aus.

Zu den Berufsvoraussetzungen gehören ein Universitätsabschluss (Bachelor of Science oder Master of Science) im Bereich der Informatik. Auch Quereinsteiger haben gute Chancen, sich von kleineren Positionen hochzuarbeiten.

Cloud Architekt

Die Aufgabe des Cloud Architekten ist es, ein sicheres, ausbaufähiges und robustes Firmennetzwerk zu errichten. Unter anderem mit Hilfe von grossen Anbietern wie beispielsweise Microsoft mit der Azure-Cloud oder Amazon mit ihren Amazon Web Services. Er muss sehr gute Kentnisse in den Bereichen Programmierung, Soft- und Hardware haben, um das Firmennetzwerk perfekt aufeinander abzustimmen.

Wichtig ist dabei, dass der Cloud Architekt mit gutem Knowhow, aber auch mit kommunikativen Softskills glänzen kann. Voraussetzung ist wie auch beim Security Specialist ein Bachelor oder besser Master im Bereich der Informatik oder Betriebswirtschaftslehre.

IT-Architekt

Der IT-Architekt konzipiert eine IT-Architektur gemäss den Anforderungen und Branchenspezifika des Kunden, also des Unternehmens. Das bedeutet, dass er den Kunden bei technischen Fragen beratend zur Seite steht und Lösungen für Problemfälle entwickelt.

Berufsvoraussetzung für eine derartige Position ist ein guter universitärer Abschluss in einem technischen Fach sowie Kreativität und Kommunikationsstärke.

Netzwerkadministrator

Der Netzwerkadministrator hat ein recht ähnlichen Tätigkeitsbereich wie der Cloud-Architekt. Allerdings kümmert sich der Netzwerkadministrator überwiegend um das lokale Firmennetzwerk, während der Cloud-Architekt bei multinationalen Konzernen eher global agiert.

In den Beruf des Netzwerkadministrators kann man entweder über ein Studium einsteigen, oder aber auch über eine Ausbildung. Allerdings sind die Aufstiegschancen besser, wenn man einen Uni-Abschluss hat.

IT-Berater

Der IT-Berater steht zwischen zwei Welten: Der Welt der Ingenieure und der Welt des Management bzw. der Betriebswirte. Er muss auf der einen Seite genügend technisches Knowhow haben, um die Punkte der IT zu verstehen. Auf der anderen Seite werden allerdings betriebswirtschaftliche Kenntnisse vorausgesetzt, um Themen wie Budgetierung korrekt wiedergeben und verstehen zu können.

Dem Beruf des IT-Beraters geht häufig ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens, der Informatik oder auch Wirtschaftsinformatik voraus.

Business Analyst

Der Business Analyst prüft, mit welchen Strategien ein Unternehmen künftig am besten fahren wird und wie Unternehmensprozesse verbessert werden können. Daher muss der Business Analyst, ähnlich wie der IT-Berater, technisch versiert sein und sich für betriebswirtschaftliche Abläufe interessieren.

Wie bei vielen Berufen der Branche ist für viele Arbeitgeber ein Hochschulstudium in den Bereichen BWL, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsmathematik oder Wirtschaftsingenieurwesen zwingende Voraussetzung für den Beruf des Business Analyst.

Datenbank-Administrator

Datenbank-Administratoren sind für die Integrität und Optimierung der Datenbestände eines Unternehmens verantwortlich. Er muss den Datenbestand so konfigurieren, dass dieser auch bei grossen Unternehmen mit hohem Datenfluss noch einwandfrei funktioniert.

Um als Datenbankadministrator angestellt zu werden wird ein Informatikstudium vorausgesetzt.

Software Engineering Specialist

Die Softwareentwicklung ist ein besonders wichtiger Zweig in einem Unternehmen. Hier entwickeln Programmierer Software für das Unternehmen, um Betriebsabläufe zu optimieren oder das Netzwerk besser zu organisieren. Als Software Engineering Specialist muss man diverse Prozesse analysieren und anschliessend in Software umsetzen können.

Um Softwareentwickler zu werden, können Interessierte entweder den Weg der Ausbildung zum Fachinformatiker einschlagen oder ein Studium der Informatik absolvieren.

Systemanalytiker

Der Systemanalytiker untersucht Problemstellungen innerhalb der IT-Infrastruktur und löst sie in Zusammenarbeit mit Kollegen wie dem Software-Entwickler, Cloud-Architekten oder Sicherheitschef.

Doch auch bei neuen Fragestellungen entwickelt der Systemanalytiker ein Konzept (Ist/Soll-Modell), wie der aktuelle Zustand ohne Maschine in einen Zustand mit Maschine überführt wird. Berufsvoraussetzung ist entweder eine Weiterbildung im Rahmen von Programmen der Agentur für Arbeit oder aber ein Studium der Informatik.

Data Artist

Big Data ist das Zukunftsthema. Die grossen Mengen an gesammelten Daten im Internet müssen schliesslich verwaltet werden. Der Data Artist bzw. Data Visualizer arbeitet mit Big-Data-Beständen und zieht daraus Informationen, die er dann visualisiert und aufbereitet.

Da der Beruf des Data Artist noch recht frisch ist, gibt es noch keine festen Ausbildungswege.

Data Scientist

Auch der Data Scientist arbeitet im Bereich Big Data“. Da für den Data Scientist keine genaue Definition existiert, wird der Job häufig nur grob umschrieben. Zumindest muss der Data Scientist sehr gute Kenntnisse in Informatik und Mathematik haben und sich mit NoSQL-Datenbanken auskennen.

Der Data Scientist muss Daten aufbereiten, analysieren und gewünschte Informationen extrahieren.

IT-Auditor

Zum Berufsfeld des IT-Auditors gehört die Risiko- und Schwachstellenanalyse von IT-Systemen und Programmen. Es gehört also zur Qualitätssicherung. Letzlich soll der IT-Auditor Sicherheitslücken reduzieren, um die Netzwerk- und Informationssicherheit zu erhöhen.

Der Job des IT-Auditors setzt ein abgeschlossenes Hochschulstudium im Bereich der Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftswissenschaften voraus.

Requirements Engineer

Der Requirements Engineer beschreibt die Anforderungen an eine Software. Seine Arbeit beginnt vor der Entwicklung der Software: Er muss spezifizieren, welche Features eine Software bieten muss.

Dabei muss er unterschiedliche Aspekte einbeziehen: rechtliche genauso wie technologische und organisatorische. Das ganze wird dann an die Softwareentwicklung weitergeben.

Service Level Manager

Outsourcing ist gängig, wenn ein Unternehmen sparen muss. Dabei werden Leistungen an einen externen Dienstleister vergeben. Der Service Level Manager definiert und überwacht die Arbeit der beauftragten Firma.

Der Service Level Manager setzt ein Studium der Informatik oder Wirtschaftsinformatik oder eine vergleichbare Ausbildung im IT-Sektor voraus.

User Support

Der Kundendienst ist eine grosse Herausforderung für Unternehmen. Ein guter Kundensupport trägt zum Ansehen des Unternehmens in der Bevölkerung bei. Der User Support muss sich also technisch mit den Produkten des Unternehmens auskennen und gute Kommunikationsfähigkeiten besitzen.

Webdesigner

Der Webdesigner zeichnet sich verantwortlich für den Webauftritt eines Unternehmens. Zu den Tätigkeiten gehört die Adaption eines Corporate Designs auf den Webauftritt und die technische Umsetzung. Daher sind sehr gute Kenntnisse von HTML, JavaScript mit diversen Frameworks und PHP zwingend.

SAP-Berater

Ein SAP-Berater ist spezialisiert auf die Software des Unternehmens SAP. Der formale Weg dahin ist die Zertifizierung durch Institutionen, die meistens auch gleich die passenden Trainingskurse anbieten. Diese Schulungen sind standardisiert, teuer und sehr zeitaufwendig.

Allerdings zählt für viele Unternehmen bei diesem Beruf hauptsächlich die Praxis, da Erfahrungen mit der komplexen Software unabdingbar sind.

Testmanager

Der Testmanager arbeitet bei der Qualitätssicherung mit und soll neue Software verbessern. Er ist zudem interner Ansprechpartner für das Management und Mitarbeiter in allen Belangen, die die Prüfungen angehen.

Ein Testmanager muss sich mit unterschiedlichsten Methoden und mit Projektmanagement auskennen. Für Firmen ist eine Ausbildung zum zertifizierten Testmanager von Vorteil.

Leiter Rechenzentrum

Der Leiter des Rechenzentrums zeigt sich verantwortlich für die Planung des Netzwerkes im Rechenzentrum. Zudem muss er die Funktion sicherstellen und neue Technologien evaluieren und implementieren.

Vorausgesetzt wird in der Regel das Studium der Informatik. Universitäten setzen meist sogar eine Promotion voraus.

Quelle: Tomas Freres, Business Insider Deutschland, Handelszeitung

Twint und Paymit führen Fusionsgespräche

Die Bezahlapps Twint und Paymit kämpfen um die Vorherrschaft bei den Schweizer Kunden. Nun überlegen sich die Betreiber eine Zusammenlegung.

Der Gang in die Schweiz des amerikanischen Mobile-Payment-Diensts Apple Pay steht wohl unmittelbar bevor. Denn Ende Februar wurde die Marke Apple Pay durch den Konzern aus Cupertino hierzulande registriert und aktiviert. Darauf reagieren die Schweizer Anbieter der Apps Twint und Paymit nun. In einer Medienmitteilung geben sie bekannt, dass sie Sondierungsgespräche bezüglich einer gemeinsamen Lösung für digitale Zahlungsverkehrsleistungen in der Schweiz aufgenommen haben.

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Aus den bevorstehenden Gesprächen soll eine gemeinsame Lösung für digitale Zahlungsverkehrsleistungen in der Schweiz resultieren – oder fürchten sich die Schweizer Bezahlapps etwa vor dem amerikanischen Riesen Apple, der in der Schweiz einen Smartphone-Marktanteil von rund 42% hält?

 

An den Gesprächen beteiligen sich die fünf grössten Schweizer Banken Credit Suisse, PostFinance, Raiffeisen, UBS und ZKB, die Finanzdienstleisterin SIX und die Detailhändler Coop und Migros sowie die Swisscom. Dabei soll geklärt werden, ob und inwiefern ein gemeinsames mobiles Zahlungssystem kanalübergreifend, flächendeckend und rasch in der Schweiz verbreitet werden kann. Die Unternehmen betonen, dass die Verhandlungen ergebnisoffen geführt werden sollen.

Erste Gesprächsergebnisse Anfang Mai

In der Medienmitteilung schreiben die Firmen, dass die beiden Lösungen Twint und Paymit auf grosses Interesse bei den Konsumenten, dem Handel sowie den Banken gestossen seien. Die Lösungen würden sich aber bezüglich ihrer Nutzungsmöglichkeiten sowie ihrer technologischen Hintergründe unterscheiden.«Credit Suisse, PostFinance, Raiffeisen, UBS, ZKB, SIX, Coop und Migros sowie Swisscom prüfen nun die Möglichkeit einer Zusammenarbeit, um den Schweizer Konsumenten und dem Detailhandel eine integrierte und standardisierte Lösung zum digitalen Zahlungsverkehr anzubieten.»

Die gemeinsame Lösung soll von allen Kunden verwendet werden können und stünde sämtlichen Händlern, Banken, Herausgebern von Zahlkarten sowie weiteren Marktteilnehmern offen. Bestehende Kundenverträge sollen weitergeführt werden. Über erste Ergebnisse der Gespräche werden die beteiligten Parteien die Öffentlichkeit spätestens Anfang Mai informieren.

In der Zwischenzeit würden die Entwicklungen der beiden Lösungen aber unverändert weitergehen. Angekündigte neue Funktionen von Twint (digitale Stempelkarten, Couponing, Direktanbindung Konto) und von Paymit (Bezahlen am Verkaufspunkt, In-App-Payment, Bezahlen im E-Commerce) würden unabhängig vom Fortgang der Gespräche wie geplant eingeführt, heisst es weiter.

Verzicht auf «Payment War»

Die grossen Schweizer Anbieter scheinen somit auf einen Kampf um die Marktführerschaft und einen «Payment War» verzichten zu wollen. Noch vor zwei Wochen hatte Fintech-Investor und Usgang.ch-Gründer Marc P. Bernegger auf Twitter in Bezug auf den baldigen Markteintritt von Apple Pay einen solchen heraufbeschworen. Zu 20 Minuten sagte er damals: «Statt sich gegenseitig zu bekämpfen, sollten sich die Schweizer Anbieter Twint und Paymit auf einen gemeinsamen Standard einigen, bevor Apple und Google definitiv in die Schweiz kommen.» So könnten sie ihre Position im Kampf gegen die internationalen Anbieter stärken. Diesem Ratschlag leisten die Schweizer Payment-Firmen nun Folge.

Was braucht es für den Erfolg einer Bezahl-App?
Für HSLU-Professor Andreas Dietrich hängt der Erfolg einer Bezahl-App von ihren Zusatzfunktionen ab. Gemeint ist zum Beispiel die Integration von Punktesammelkarten wie Cumulus oder Supercard. Auch eine einfache Bedienung oder eine Billett-Speicherfunktion können helfen, die Kunden für eine Bezahl-App zu gewinnen, ergänzt ZHAW-Bezahlexperte Sandro Graf. Allgemein gelte: «Lösungen, die sich nur auf das Bezahlen konzentrieren und keine anderen Mehrwerte bieten, haben es schwer.» Im Gegensatz dazu zeigt sich Telekom-Spezialist Ralf Beyeler kritisch: «Alle denken, Bezahl-Apps sind die Zukunft und wollen sich ein Stück vom Kuchen abschneiden. Was dabei vergessen geht: Ein grosser Teil der Konsumenten hat derzeit noch grosse Sicherheitsbedenken in Bezug auf diese neue Technologie.»

Quelle: (kwo), 20 Minuten

Schweizer kauften für 10,7 Milliarden im Ausland ein

Schlechte Nachrichten für den Schweizer Detailhandel: 2015 gaben die Schweizer 10,7 Mrd. Franken im Ausland aus. Im Schnitt fuhren die Einkaufstouristen 76 Kilometer weit.

Der billige Euro lockt die Schweizer Konsumenten in Scharen zum Einkaufen ins benachbarte Ausland. Im vergangenen Jahr gaben sie dort laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK zum Wechselkurs von 2013 gerechnet rund 10,7 Mrd. Fr. aus. Das sind 6 Prozent mehr als 2013.

Angesichts der langen Autoschlangen, die sich jeden Samstag über die Grenze quälen, erscheint es überraschend, dass die Steigerung nicht grösser ist. Allerdings konnten die Schweizer durch die starke Verbilligung des Euro mit dem gleichen Budget mehr Waren im Ausland einkaufen, wie Studienautor Thomas Hochreutener sagte. Wertmässig sei die Steigerung deshalb nicht so hoch ausgefallen.

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Die Schweizer kaufen pro Jahr für 11 Milliarden Franken im Ausland ein. Das zeigen Daten von GfK. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und dem Fall des Eurokurses nutzen viele Schweizer Shopping-Touristen die Möglichkeit, im nahen Ausland Schnäppchen zu machen. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Alter Wechselkurs wegen Vergleichbarkeit

Um die Daten mit der Studie von 2013 vergleichen zu können, wurde die Berechnung mit dem Wechselkurs von 2013 angestellt. Damals kostete ein Euro 1,24 Franken. Zum realen Wechselkurs vom letzten Jahr von etwa 1,05 Franken gerechnet wären die Ausgaben gesunken, und zwar auf 8,6 Milliarden Franken, der «Blick» vorrechnet.

Der Einkaufstourismus dürfte seinen Höhepunkt erreicht haben, wenn der Euro auf dem jetzigen Niveau bleibe, sagte Hochreutener. Wenn der Euro sich nochmals deutlich abschwächen würde, dürfte der Einkaufstourismus weiter zulegen. Von den 10,7 Mrd. Franken, die die Schweizer im Ausland ausgaben, entfielen 1,4 Mrd. Fr. auf Einkäufe im Internet. Das sind 12 Prozent mehr als 2013.

Ladenöffnungszeiten auch ein Grund

Die billige Gemeinschaftswährung ist allerdings nicht der einzige Grund, über die Grenze zum Shoppen zu fahren. Für ein Fünftel der Schweizer sind auch die längeren ausländischen Ladenöffnungszeiten der Anlass, besonders in Kantonen mit restriktiven Ladenöffnungszeiten.

Die stärkste Zunahme bei den Auslandeinkäufe (ohne Onlinehandel) verzeichnete das Tessin. Sie schnellten um die Hälfte auf 514 Mio. Fr. nach oben. Dagegen blieben die Auslandeinkäufe in der Westschweiz bei 2,1 Mrd. Fr. stabil. In der Deutschschweiz stiegen sie um 5 Prozent auf 6,7 Mrd. Franken.

Am meisten kauften die hiesigen Konsumenten jenseits der Grenze Lebensmittelliessen, für 2,41 Mrd. Franken. Dahinter folgten neue Kleider für 1,82 Mrd. Franken sowie Körperpflege und Hygieneprodukte für 740 Mio. Franken. Deutlich zugelegt haben die Einkäufe von Sportwaren, Spielwaren oder Möbel, so Hochreutener.

Einkaufen auf Ausflügen oder Reisen

57 Prozent der Schweizer Haushalte kauften mindestens einmal pro Monat im Ausland ein. Dieser Anteil habe gegenüber dem hohen Niveau von 2013, als es 55 Prozent waren, nochmals zugenommen, heisst es in der Studie.

Das Konsumentenverhalten hat sich seit 2013 verändert. Die Konsumenten fahren seltener einzig nur für den Einkauf ins Ausland. Bei solchen gezielten Einkäufen gaben die Schweizer 4,8 Milliarden Franken aus, 5 Prozent weniger als 2013. Auslandeinkäufe werden immer häufiger mit einem Ausflug verbunden.

76 Kilometer pro Einkaufsfahrt

Die Schweizer sind bereit, lange Wege in Kauf zu nehmen: Die durchschnittlich zurückgelegte Strecke von 76 Kilometern pro gezieltem Besuch ist auch 2015 nochmals leicht um 2 km angestiegen. Auslandeinkäufe beschränken sich also nicht nur auf Bewohner von Grenzregionen. Sogar aus dem Wallis fahren Einkaufstouristen nach Deutschland.

Für die Studie hat die GfK rund 1100 Haushalte von Oktober 2015 bis Januar 2016 online befragt. Die Studie wurde im Auftrag der Interessengemeinschaft (IG) Detailhandel mit ihren Mitgliedern Coop, Denner, Manor und Migros durchgeführt.

Quelle: (sda/kwo), 20 Minuten

12. Ausgabe des Businessplan-Wettbewerbs

Innovation und die Entwicklung von Geschäftsideen haben Tradition im Rheintal. Mit den beiden Startveranstaltungen am kommenden Dienstag und Mittwoch beginnt nun bereits die zwölfte Ausführung des Businessplan Wettbewerbs Liechtenstein Werdenberg. Junge Start-ups erhalten dabei wieder die Chance, einen Businessplan unter professioneller Anleitung zu erstellen und sich mit der eigenen Geschäftsidee einem kritischen Feedback zu stellen.

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Herr Moll, nach mittlerweile bereits elf Durchführungen des Businessplan Wettbewerbs wurde das Konzept überarbeitet. Was ist neu?
Thomas Moll: In der Vergangenheit lag der Fokus der Unterstützung im Rahmen des Wettbewerbs sehr stark auf der Planungsphase. Die Trainings waren so aufgebaut, dass die Teilnehmenden das nötige Grundwissen erarbeitet haben, um einen Businessplan professionell zu formulieren. Das neue Konzept geht einen wesentlichen Schritt weiter. Wir wollen erreichen, dass die Teilnehmenden aktiv werden. Sie sollen sich nicht nur intensiv mit der Materie auseinandersetzten, sondern aus dem Planungsmodus herausgerissen und zum aktiven Handeln motiviert werden. Dazu gehört auch, den Kontakt zu zukünftigen Kunden zu suchen und ihre Ideen in der Praxis zu testen. Die neuen Unterstützungsveranstaltungen sind daher in Form von sogenannten «lean launch pads» – schlanken Startrampen – aufgebaut, die sie dabei konkret unterstützen.

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Thomas Moll ist seit 4 Jahren Projektleiter für Wissens- und Technologietransfer im KMU Zentrum der Universität Liechtenstein. Für ihn ist es die vierte Durchführung des Businessplan Wettbewerbs.

Wie sieht die Zielgruppe des Wettbewerbs aus?
Jeder, der eine Geschäftsidee hat, mit der man Geld verdienen kann, ist angesprochen. Es spielt keine Rolle, ob man Gründungserfahrung hat oder nicht. Wir wollen das nötige Rüstzeug in den Unterstützungsveranstaltungen vermitteln. Auch etablierte Unternehmen können mitmachen. Wenn es darum geht, neue Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt zu bringen oder neue Geschäftsfelder zu entwickeln, bietet der Wettbewerb die Chance, das Vorhaben von einer unabhängigen Jury bewerten zu lassen. Es macht auch Sinn, am Wettbewerb teilzunehmen, wenn sich jemand mit dem Gedanken trägt, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen und allenfalls eine Neuausrichtung in Erwägung zieht.

Der Fokus wird also von der Theorie vermehrt auf die Praxis gelenkt. Was ist das Ziel?
Erklärtes Ziel ist es, die Teilnehmenden bei der Entwicklung tragfähiger Geschäftsmodelle und der erfolgreichen Umsetzung ihrer Geschäftsideen bestmöglich zu unterstützen und dadurch mehr innovative Unternehmen im Land zu gründen. Damit sollen langfristig und nachhaltig auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Nach dem grossen Interesse im vergangenen Jahr wird auch der «dream it» Ideen-Workshop erneut durchgeführt. Wer ist angesprochen?
Der «dream it» Ideen-Workshop soll Interessierten die Gelegenheit geben, an einem Tag intensiv Startup-Luft zu schnuppern und sich mit den verschiedenen relevanten Themenbereichen auseinanderzusetzen. Der Workshop bietet aber auch Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und zu vernetzen. Erfahrene Coaches stehen mit Rat und Tat zur Seite und unterstützen dabei, eine Idee in Form zu bringen und in die Richtung eines Geschäftsmodelles zu entwickeln.

Was steht in diesem Bereich auf dem Programm? 
Der Workshop soll eine Startrampe für den Erfolg werden. Im Wesentlichen wird der Workshop in drei Bereiche unterteilt. Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Thema Innovation und geht der Frage nach, was eine Idee innovativ macht. Der zweite Teil stellt die wichtigsten Elemente bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen vor. Im Abschlussteil werden dann die Grundsteine für ein solides Geschäftsmodell gelegt. Die Teilnehmenden erfahren somit, wie ein Bogen von der ersten Idee über die Implementierung von innovativen Elementen bis hin zur Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells gespannt wird. Der Workshop bietet damit einen optimalen Einstig in die Materie und die Teilnahme am Wettbewerb.

Am Dienstag und Mittwoch finden die Startveranstaltungen an der Universität Liechtenstein in Vaduz und am NTB, der Interstaatlichen Hochschule für Technik in Buchs, statt. Wie sieht der weitere Fahrplan aus? 
Der «dream it» Ideen-Workshop am 5. März leitet die Reihe an interaktiven Veranstaltungen ein. Sechs «launch pads» bieten zwischen dem 15. März und 3. Mai dann optimale Unterstützung für die individuelle Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells und der Erstellung eines professionellen Businessplans. Die Abgabe der Businesspläne kann bis spätestens 13. Mai 2016 erfolgen. Die öffentliche Preisverleihung für die besten Geschäftsideen findet schliesslich am 21. Juni 2016 an der Universität Liechtenstein statt.

Welche Art von Teilnehmern wünschen Sie sich?
Ich wünsche mir motivierte Teilnehmer, kreative Köpfe und innovative Menschen, die bereit sind, für ihre Idee einzutreten und sie voranzutreiben, damit aus den Träumen Realität wird.

Gefällt ihnen die thematische Vielfalt oder könnte diese noch breiter gestreut sein?
In der Vergangenheit wurden immer wieder Ideen aus den unterschiedlichsten Themenbereichen beim Wettbewerb eingereicht. Die thematische Vielfalt ist daher schon von Grund auf gegeben. Ich lasse mich aber immer wieder gerne aufs Neue überraschen.

Was bedeutet der Businessplan Wettbewerb für junge potenzielle Unternehmer im Rheintal?
Die im Rahmen des Wettbewerbs vergebenen Preise und Awards sind nur eine Anerkennung für die erbrachte Leistung. Ich denke, dass ein positives Feedback von unabhängigen Experten und die Aufmerksamkeit in den Medien sehr viel mehr wert ist als das Preisgeld alleine. Eine Auszeichnung ist zwar keine Garantie für den Erfolg, aber zumindest eine Bestätigung dafür, auf dem richtigen Weg zu sein.

1FL TV-Interview mit Thomas Moll

Sie haben eine Idee, mit der man Geld verdienen kann? Dann tun Sie’s doch! Entwickeln Sie aus Ihrer Geschäftsidee einen Businessplan. Gründen Sie Ihr eigenes Unternehmen oder wachsen Sie mit Ihrem bereits bestehenden Unternehmen. Das Team des Businessplan Wettbewerbs Liechtenstein Rheintal 2016 begleitet und unterstützt Sie auf Ihrem Weg.

Wer kann teilnehmen?

Gründen, Wachsen oder Übernehmen

  • ErfinderInnen, Studierende und MitarbeiterInnen, die eine innovative Geschäftsidee haben oder JungunternehmerInnen, die einen Betrieb gründen möchten.
  • UnternehmerInnen, die ihr Unternehmen mit einer innovativen Produkt- oder Dienstleistungsidee neu ausrichten wollen oder UnternehmerInnen, die mit ihrer Unternehmung wachsen wollen.
  • JungunternehmerInnen, die einen Betrieb übernehmen möchten.

Wie kann ich profitieren?

Lean launch Pads

Im Rahmen des Businessplan Wettbewerbs werden Ihnen sechs launch pads angeboten. Das nötige Basiswissen zu den einzelnen Elementen des Businessplans wird Ihnen vermittelt. Es lohnt sich an den lehrreichen Trainings teilzunehmen.

Workshop, Coaching und Netzwerke

Nutzen Sie die Gelegenheit bei den verschiedenen Veranstaltungen Erfahrungen mit den anderen Teilnehmern auszutauschen und interessante Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und dem Startup Umfeld kennenzulernen. Gerne dürfen Sie auch persönliche Coachings mit dem KMU Zentrum wahrnehmen.

Preise

Erstmals werden die besten fünf Businesspläne mit Awards ausgezeichnet und mit insgesamt CHF 40’000 an Preisgeldern prämiert. Zudem werden attraktive Sonderpreise vergeben:

  1. Platz: Preisgeld CHF 15’000
  2. Platz: Preisgeld CHF 10’000
  3. Platz: Preisgeld CHF 8’000
  4. Platz: Preisgeld CHF 5’000
  5. Platz: Preisgeld CHF 2’000

Alle prämierten Teams erhalten auch den begehrten «launch it»-Award.

Quelle: Jessica Nigg, Liewo, 1FL TV 

Regionalität und guter Service sind beste Mittel gegen «Lädelisterben»

Immer mehr kleine Geschäfte geben auf, es gibt aber auch Unternehmen, die dem «Lädelisterben» trotzen.

Mit einem freundlichen «Hallo» wird man im Gemüse- und Gartencenter von Lazo Lipovac empfangen. Seit 28 Jahren führt er gemeinsam mit seiner Frau den kleinen Laden in der Steckergass in Schaan. Ähnlich den früheren Tante-Emma-Läden findet man dort auf kleiner Verkaufsfläche ein kunterbuntes Warenangebot – oder eben alles, was für den täglichen Bedarf notwendig ist.

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Lazo Lipovac bedient seine Kunden persönlich, ein freundliches Gespräch darf dabei nicht fehlen. (Foto: Paul Trummer)

Während viele kleine Geschäfte bereits zugesperrt haben und die restlichen über die Konkurrenz der Grossen stöhnen, ist sich Lipovac seiner Stärken bewusst: «Der Preis ist nicht alles, entscheidend ist auch die Qualität der Waren.» Wenn möglich, bezieht er seine Produkte aus dem Inland oder der Region. Die Waren sollen frisch, möglichst unbehandelt oder nur wenig gespritzt sein, das ist ihm besonders wichtig. «Wir vertrauen dabei auf die Produzenten aus der Region, mit denen wir schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten», sagt der Geschäftsmann. Wie wichtig heutzutage Transparenz ist, weiss auch Albert Ospelt, Inhaber der Ospelt AG: «Die Kunden informieren sich immer öfter über die Herkunft der Produkte und konsumieren heute bewusster. Besonders im Lebensmittelbereich punkten Qualität und Regionalität.» Viele Kunden wollen aber nicht nur die Herkunft der Produkte kennen, sondern auch ihr Gegenüber. Lazo Lipovac bedient jeden seiner Kunden persönlich und neben einem freundlichen Gespräch gibt es meist auch eine kleine Aufmerksamkeit dazu. «Wo ma mi kennt» heisst es ebenfalls bei der Ospelt AG. «Unser Geschäft hat ein Gesicht», sagt Albert Ospelt, der Wert darauf legt, dass seine Mitarbeiter die Kunden gut und individuell beraten. Ein Mehrwert, den grosse Handelsketten nicht bieten können. «Die Packung im Kühlregal spricht nicht mit dir», formuliert Ospelt überspitzt und räumt den kleinen und mittleren Unternehmen gleichzeitig gute Zukunftschancen ein, wenn diese «ein offenes Ohr für die Wünsche der Kunden haben, aber auch Investieren und das Unternehmertum nicht aus den Augen verlieren».

Den Anschluss nicht verpassen

Ein Beispiel, wie man auf Kundenwünsche reagiert, zeigt die Bäckerei Mündle. Neben dem klassischen Frühstücksbrot bietet die Bäckerei mittlerweile kleine Zwischenmahlzeiten für untertags sowie an drei Standorten komplette Menüs am Mittag an. «Mit Brotbacken allein ist es heute nicht mehr getan», argumentieren die Inhaber Kathrin und Pirmin Mündle. Neben den gesellschaftlichen Strukturen – es gibt mehr Singlehaushalte, mehr berufstätige Frauen und ein grösseres Freizeitangebot – habe sich auch das Konsumverhalten der Menschen mit der Zeit verändert. «Unsere Kunden wollen schneller verpflegt werden, auf diese Wünsche und Bedürfnisse müssen wir eingehen», ist sich das Unternehmerpaar einig. Um den sinkenden Umsatzzahlen entgegenzuwirken, haben sich Mündles vor einem Jahr für die Expansion und ein weiteres Standbein entschieden. «Hätten wir die Umstellung nicht vollzogen, kämen die Menschen vielleicht auch nicht mehr, um Brot zu kaufen», vermutet Mündle.

Drei Beispiele, die zeigen, dass auch kleinere und mittlere Unternehmen neben den Grossen bestehen können. Lazo Lipovac: «Die Kunden kommen gerne zu uns in den Laden und wir hören immer wieder wie schön, dass es so etwas noch gibt.»

Quelle: Silvia Böhler, Liechtensteiner Volksblatt

Michel Jüstrich, Chef von Similasan, spricht Klartext: «Die Löhne werden sinken müssen»

«Der Erfolg der Schweiz ist auf drei Werten aufgebaut. Fleiss, Eigenverantwortung und liberale Wirtschaft. Alle drei scheinen mir den Bach runterzugehen. Und wir tun so, als sei alles in Ordnung. Ein Wahnsinn!», sagt Unternehmer Michel Jüstrich (49) im Interview.

Das Dorf Jonen im Kanton Aargau. Ein kleines Industriegebiet, gesäumt von Einfamilienhäusern, von denen jedes wie ein Ei dem anderen gleicht. Von der Terrasse der neuen, hochmodernen Produktionsanlage geht der Blick in die Ferne, weit übers Reusstal hinaus. Michel Jüstrich, Chef des Nahrungsmittelproduzenten Nahrin, des Tierfutterherstellers Anifit und Verwaltungsratspräsident von Similasan, der grössten Produzentin homöopathischer Arzneimittel in der Schweiz, posiert geduldig für die Fotografin.

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Michel Jüstrich (49) ist Chef von Similasan. Bild: Sabine Wunderlin

Er stapft durch den Schnee und blinzelt in die Sonne, während in den Hallen unter ihm unzählige Gläschen mit Augentropfen, Kügeli, Sprays und Kosmetika vom Band rollen. Die Produkte des Arzneimittelherstellers haben längst auf dem ganzen Globus ihren Platz gefunden. «In den USA zum Beispiel sind unsere Augentropfen der Renner», sagt Jüstrich nicht ohne Stolz.

Er ist ein quirliger Ostschweizer mit wachem Blick, ein Schnelldenker und -redner, ein Vollblutunternehmer, der gerne ein Witzchen reisst, aber auch Folgendes nicht verbergen will: Unter seiner heiteren, freundlichen Gelassenheit brodelt es gewaltig. Kurz gesagt, Michel Jüstrich ist sauer.

SonntagsBlick: Was hat Sie so verärgert?
Michel Jüstrich: Ich bin nicht nur verärgert, ich bin in tiefer Sorge um unsere Wirtschaft. Und um unser Land.

Warum?
Der Erfolg der Schweiz ist auf drei Werten aufgebaut. Fleiss, Eigenverantwortung und liberale Wirtschaft. Alle drei scheinen mir den Bach runterzugehen. Und wir tun so, als sei alles in Ordnung. Ein Wahnsinn!

Sie sagen, wir sind faul und bequem geworden?
Ja. Es ging uns – und da nehme ich mich nicht aus – lange sehr gut, unser bequemes Leben schien selbstverständlich zu sein. Wohl deshalb haben wir an Biss und Opferbereitschaft verloren. Man profitiert vom System, schaut nur für sich selber und scheint vergessen zu haben, dass man säen muss, bevor man ernten kann.

Wer hat Ihnen die Werte vermittelt, die Sie zu dieser Kritik motivieren?
Meine Eltern. Mein Vater führte ein kleines Unternehmen im äussersten Winkel der Ostschweiz, meine Mutter hat sich mit Leib und Seele um uns vier Kinder gekümmert. Wir haben gelernt, dass man füreinander schaut, dass einem niemand wegnehmen kann, was man gelernt hat – und: Es gibt nichts gratis.

Sie sagen, auch die liberalen Werte der Wirtschaft gingen den Bach runter …
… und wie! Was uns Unternehmern an administrativem Aufwand aufs Auge gedrückt wird, ist hanebüchen. Wir werden bevormundet, kontrolliert, mit neuen Regulierungen zugedeckt und können fast nicht mehr arbeiten.

Nennen Sie ein Beispiel!
Jede Firma muss für 5000 Franken das interne Kontrollsystem IKS kaufen. Es soll verhindern, dass sich Manager schamlos bedienen. Mag gut sein für grosse Konzerne, aber über 90 Prozent der Firmen in der Schweiz sind KMU. Als Patron eines Unternehmens bescheissen Sie sich doch nicht selber! Was soll der Quatsch? Oder nehmen wir das Schweizerwappengesetz. Wir müssen bei Nahrin das Schweizerkreuz von der Packung entfernen, obwohl wir alles in der Schweiz entwickeln und produzieren.

Weil nicht alle Zutaten aus der Schweiz kommen?
Eines unserer Topprodukte ist ein Artischocken-Apéro. Es gibt nun mal keine Artischocken in der Schweiz. Müsste ich die Ingredienzien umstellen, wäre das Produkt 20 Prozent teurer. Das können wir uns nicht leisten. Also weg mit dem Schweizerkreuz!

Das schmerzt Sie offensichtlich.
Ja, das schmerzt mich als Eidgenosse und trifft mich ökonomisch. Wir verlieren einen Trumpf im Ausland. Das Schweizerkreuz steht für gute Qualität. Übrigens – im Ausland kann ja jeder das Schweizerkreuz auf die Packung drucken, egal, was drin ist und wo produziert wird. Im Ausland kontrolliert niemand – dafür wir uns selbst in der Schweiz.

Warum verlegen Sie die Produktion der Exportprodukte nicht ins Ausland?
Ja, sehen Sie, das müsste ich eigentlich. Wäre notabene günstiger.

Was heisst das, planen Sie eine Verlagerung der Produktion?
Das plane ich nicht, dafür bin ich zu sehr Schweizer. Aber wir stehen unter massivem Preisdruck, müssen die Kosten senken, wo wir nur können. Das macht mir zu schaffen.

Haben Sie Arbeitsplätze abgebaut?
Bis dato nicht. Eher indirekt, in der Beschaffungskette. Ein Beispiel: Wenn ich Etiketten in Italien 50 Prozent günstiger bekommen kann, muss ich Ihnen nicht sagen, was ich tun werde. Das heisst, die hiesige Druckerei hat einen oder zwei Arbeitsplätze, die sie sich nicht mehr leisten kann. Sie wird die Leute wohl entlassen müssen. Das tut mir sehr leid, aber ich kann nicht anders. Wir müssen sparen!

Und wo sparen Sie?
Früher haben wir eine freiwillige Gratifikation bezahlt – die haben wir gestrichen. Wir werden nicht darum herumkommen, in der Schweiz langfristig über Lohnsenkungen zu reden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir haben zu hohe Produktionskosten.

Wir haben auch hohe Lebenskosten!
Stimmt, aber die kommen ins Rutschen. Der Ölpreis ist massiv gesunken. Die Konsumartikel werden billiger, wir haben eine negative Teuerung. Die Löhne werden sinken müssen. Aber auch der Staat muss endlich sparen!

Wie soll das gehen?
Schauen Sie, die Arbeitslosenrate wäre weit über 3,8 Prozent, wenn nicht Bundesbern und die Verwaltungen generell so gewachsen wären. Ich sage erstens: Verwaltungen betreiben keine Wertschöpfung. Sie sind zweitens aus Steuergeldern bezahlt. Das heisst, aus der Wertschöpfungsindustrie, und das heisst, aus der Wirtschaft. Drittens, was mich am meisten stört: Verwaltungen sind keine Dienstleister mehr, die alles tun, damit die Wirtschaft reibungslos funktioniert. Sie sind zu Piesackern geworden, die wir auch noch bezahlen müssen. Fazit: Auch der ganze Apparat muss die Kosten um mindestens 20 Prozent senken.

Warum 20 Prozent?
Wir haben massive, währungsbedingte Ertragsverluste. Wenn es mir nicht gelingt, die Kosten um ein Fünftel zu senken, gibt es uns in fünf Jahren nicht mehr. Das Gleiche muss auch für den aufgeblähten Staatsapparat gelten.

Sie würden einen engagierten Politiker abgeben!
Es wäre notwendig, dass sich Unternehmer wieder vermehrt politisch engagieren. Im Moment möchte ich möglichst viel Zeit mit meiner Familie verbringen. Politik ist ein Thema für mich. Aber nicht schon heute.

Quelle: Christine Maier, Blick