Digitalisierung: Raubt uns die Maschine die Arbeit?

Ein Heer von Postboten, Taxichauffeuren und Büroangestellten wird bald ohne Job sein, da ein Computer ihre Arbeit schneller und besser erledigt. Das Paket wird von einer Drohne ausgeliefert, Autos finden ihr Ziel selbst. Ist das die Zukunft unserer Arbeit?

Die Digitalisierung ist in vollem Gange und soll laut Experten jeden zweiten Job in Zukunft überflüssig machen. Die vierte industrielle Revolution pflügt gerade die Gesellschaft und Wirtschaft um und kreiert eine neue Arbeitsrealität.

Technischer Fortschritt ging in der Vergangenheit stets mit neuem Wohlstand einher. Wie wird es dieses Mal sein? Lässt diese Revolution viele Verlierer zurück, die den Anforderungen der künftigen Arbeitswelt nicht mehr genügen?

Oder sind einfach andere Qualitäten gefragt? Solche, die Maschinen nur schwer übernehmen können, wie etwa Menschenkenntnis, Verhandlungsgeschick oder Überzeugungskraft?

Trifft es die Kassiererin, die durch den Roboter ersetzt wird? Oder werden die Hierarchien flacher und es braucht den Chef nicht mehr?

Im «Club» bei Karin Frei diskutieren die Gäste darüber, wie gut die Schweiz für die digitale Zukunft gerüstet ist, welche Berufe dereinst unsere Jungen ausüben und ob es grundlegende Reformen braucht.

Barbara Josef, Unternehmerin, begleitet Veränderungsprozesse in Firmen
Amanda Sauter, Grafikdesignerin und Jungunternehmerin
Lino Guzzella, Präsident ETH Zürich, Thermotroniker
Corrado Pardini, Gewerkschafter Unia (Leitung Sektor Industrie), Nationalrat SP/BE
Joël Luc Cachelin, Ökonom, Gründer Wissensfabrik

Positionen:

Barbara Josef: «Das Digitale Zeitalter macht uns nicht zu Opfern. Es bietet uns die einmalige Chance, Arbeit neu zu denken und neu zu verhandeln.»

Amanda Sauter: «Vor Veränderungen habe ich keine Angst. Veränderungen sind ein konstanter Teil unseres Lebens und machen dieses erst spannend.»

Lino Guzzella: «Der Wert des Wissens fällt, der Wert des Denkens steigt. Für die Bildung der Zukunft heisst das, wieder mehr Freiräume schaffen, Kreativität fördern und Raum zum Schaffen eigener Projekte geben.»

Corrado Pardini: «Man darf sich die Digitalisierung nicht nur technisch innerhalb der Fabriktore vorstellen. Wir stehen auch gesellschaftlich vor grossen Umwälzungen. Zentral werden Fragen wie das Eigentum der eigenen Daten, das Recht auf Arbeit und die Unabhängigkeit der Demokratie von multinationalen Konzernen.»

Joël Luc Cachelin: «Es wird weniger Arbeit geben, weil jene, die entsteht, kompensiert nicht, was wegfällt. Es werden höhere Anforderungen an uns gestellt werden. Wir werden nicht umhin kommen, grössere gesellschaftliche Reformen anzugehen, vor allem in Sachen Sozialversicherungen und Bildung.»

Quelle: Der Club, SRF

Mobiles Internet: Schweizer surfen hinterher

Weltweit steuern Internetnutzer immer mehr Webseiten über mobile Geräte an. Vor allem ein Grund spricht für den Siegeszug der neuen Smartphones. Die Schweiz hinkt dieser Entwicklung noch hinterher.

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Während insgesamt immer mehr Menschen mit mobilen Geräten ins Internet gehen, sind es in der Schweiz rund 33% mobile Zugriffe. Keystone

 

Das Internet findet immer mehr auf dem Smartphone statt: Rund 37 Prozent aller Webseiten rund um den Globus wurden 2015 von mobilen Geräten angesteuert. Dabei zeigt sich: Das Smartphone hängt das Tablet ab. Das zeigt der Adobe Digital Index, für den die Daten von über 4500 Firmen ausgewertet wurden. Die Schweiz liegt in der Liste von 26 analysierten Ländern auf dem 17. Platz. Damit sind wir zwar mobiler als die Deutschen, aber weit weniger als die Menschen in den USA, in Grossbritannien und in Saudi-Arabien.

Adobe hat eine vergleichende Studie zur mobilen Internetnutzung herausgegeben. Während insgesamt immer mehr Menschen mit mobilen Geräten ins Internet gehen, sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern von insgesamt 26 gross:
Schweiz: 33 Prozent mobile Zugriffe, Rang 17.
Deutschland: 32 Prozent mobile Zugriffe, Rang 18.
Österreich: 30 Prozent mobile Zugriffe, Rang 23.
USA: 38 Prozent mobile Zugriffe, Rang 11.
Grossbritannien: 44 Prozent mobile Zugriffe, Rang 5.
Japan: 47 Prozent mobile Zugriffe, Rang 4.
Philippinen: 47 Prozent mobile Zugriffe, Rang 3.
Irland: 49 Prozent mobile Zugriffe, Rang 2.
Saudi-Arabien: 62 Prozent mobile Zugriffe, Rang 1.

In der Schweiz erfolgten laut dem Softwarehersteller knapp 33 Prozent aller Zugriffe über mobile Geräte, in Deutschland waren es 32 Prozent. Das mobilste Land ist mit grossem Vorsprung Saudi-Arabien. Mit 62 Prozent ist das Königreich die einzige Nation, in der mehr als die Hälfte aller Website-Zugriffe von Mobilgeräten erfolgten. Knapp unter 50 Prozent liegen die Verfolger Irland, Philippinen und Japan (siehe Bildergalerie oben).

Smartphone gewinnt gegenüber Tablet

Interessant sind nicht nur die absoluten Zahlen, sondern auch die Entwicklung. Die 37 Prozent mobilen Zugriffe bedeuten eine Steigerung von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein besonders grosses Wachstum bei den Smartphone-Zugriffen verzeichneten die Slowakei, Belgien, Tschechien und China, wo der Anteil im Jahresvergleich um 65 und mehr Prozent zugenommen hat. Und das Smartphone hat nicht nur gegenüber den traditionellen Computern zugelegt, sondern im mobilen Bereich auch das Tablet hinter sich gelassen.

Es gab eine Zeit, in der das Tablet das Smartphone überholt hatte und man davon ausging, dass sich dieser Trend fortsetzt, lässt sich Adobe-Analystin Tamara Gaffney in einer Mitteilung zitieren. Seither sei die mobile Nutzung übers Tablet aber erheblich zurückgegangen, alleine im letzten Jahr um 7 Prozent. «Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Smartphone-Bildschirme immer grösser werden.»

Weckruf für Mobilmuffel

Anstatt beides zu kaufen, entschieden sich die Leute heute vermehrt für Smartphones mit grossen Bildschirmen, sogenannten «Phablets», sagt Gaffney. Insgesamt seien die Ergebnisse der Studie aber ein Weckruf für die europäischen Firmen: «Sie müssen endlich akzeptieren, dass Mobilgeräte strategische Priorität besitzen und sie mit den Entwicklungen der mobilen Verbrauchergewohnheiten Schritt halten müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.»

Quelle: (gku), Handelszeitung

Regierungschef Adrian Hasler: «Ich glaube an die Schaffenskraft der jungen Menschen»

Er ist überzeugt, dass es allein schon in Liechtenstein viele junge bestens ausgebildete Menschen gibt, die viel Potenzial für Innovation und Unternehmertum in sich tragen. Und genau das sei wichtig für die Zukunft. Ein Gespräch mit Regierungschef Adrian Hasler über die Innovation als Erfolgsfaktor.

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«Wir wollen einen Rahmen schaffen, der diese jungen Menschen unterstützt, ihnen hilft, ihre Ideen und Träume zu realisieren», sagt Regierungschef Hasler.

Am 19. November haben Sie in der Veranstaltung «Impuls Liechtenstein» die Innovation als Erfolgsfaktor für Liechtenstein präsentiert. Wie geht es mit diesem Thema weiter?

Regierungschef Adrian Hasler: Die Rückmeldungen zu diesem Anlass waren äusserst positiv. Viele Besucher fühlten sich inspiriert und schöpften Mut, eigene Ideen umzusetzen. Die LVC (Liechtenstein Venture Cooperative) wird in der Zwischenzeit nachgefragt. Mittlerweile wissen wir von etwa zehn Personen, die dabei sind, LVCs zu gründen. Das Regulierungslabor der Finanzmarktaufsicht hat Fahrt aufgenommen. Schon mehrere Fintech-Unternehmen haben grosses Interesse signalisiert bzw. befinden sich im Bewilligungsprozess. Mit der Universität Liechtenstein arbeiten wir weiter am Aus- und Weiterbildungskonzept, das uns im Thema Innovation unterstützen soll. Es tut sich also einiges.

Gleichzeitig zu Ihrem Anlass «Impuls Liechtenstein» hielt Regierungschef-Stv. Thomas Zwiefelhofer eine eilig einberufene Medienkonferenz ab, wo er ebenfalls das Thema Innovation ins Zentrum stellte. Geht es hier um ein Kompetenzgerangel?

Ich bin davon überzeugt, dass Innovation ein Erfolgsfaktor ist. Deshalb habe ich auch die Initiative «Impuls Liechtenstein» lanciert. Innovation wurde früher nur mit der industriellen Forschung und Entwicklung verbunden. Heute ist die Innovation auch für den Finanzplatz zu einer wichtigen strategischen Komponente geworden. Hier sehen wir uns mit einer enormen Dynamik konfrontiert. Ich bin froh, dass der Wirtschaftsminister das Thema Innovation nun ebenfalls für sehr wichtig hält und in seinem Bereich vorwärtstreiben möchte. Es ist ja auch so, dass unsere Bildungsministerin Aurelia Frick mein Anliegen im Bereich Aus- und Weiterbildung unterstützt. Je mehr Personen bereit sind, die Innovationsfähigkeit Liechtensteins zu stärken, desto mehr Kraft wird sich daraus in der Zukunft entwickeln. Glücklicherweise finden wir auch von universitärer und privater Seite gute Initiativen, die in diese Richtung zielen.

Der bekannte deutsche Investor Frank Thelen erwähnte in seinem Referat in Ruggell, dass er mit Ihnen weitere Gespräche führen werde. Viele sahen darin einen Wink, dass er sich Investitionen in Liechtenstein vorstellen könne. Können Sie uns dazu etwas verraten?

Sie werden verstehen, wenn ich hier etwas vage bleiben muss. Aber tatsächlich haben wir uns in der Zwischenzeit ausgetauscht. Frank Thelen ist begeistert von Liechtenstein und seinen Möglichkeiten. Er schätzt unsere politisch stabilen Verhältnisse, die Rechtssicherheit, die flexiblen und sehr kurzen Wege und sieht unser Land als einen interessanten Ausgangspunkt für Gründer. Sagen wir es mal so: Frank Thelen kann sich einiges vorstellen.

Ein Hindernis für die Ansiedelung von Gründern und Innovatoren ist die Beschränkung der Wohnsitznahme in Liechtenstein. Wie können Sie dieses Problem lösen?

Ich sehe das nicht als ein so grosses Hindernis. Einerseits können wir Gründer über das Studium an der Universität Liechtenstein, eine unserer Begleitmassnahmen, bereits heute nach Liechtenstein holen. Andererseits sind unsere Wege ins benachbarte Ausland sehr kurz. Wenn heute ein Gründer beispielsweise innerhalb Berlins zwischen Arbeits- und Wohnort pendelt, ist er allenfalls länger unterwegs, als zwischen Feldkirch und den liechtensteinischen Gemeinden.

Steht denn Kapital bereit, um Gründer und Innovatoren zu unterstützen?

Das ist mit eine der Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Ich führe seit einiger Zeit Gespräche mit Unternehmerpersönlichkeiten in Liechtenstein, um hier den besten Weg zu finden. Es sind meines Erachtens auch die Unternehmer, die am besten einschätzen können, welche Business Modelle zukunftsfähig sind. Mir sind die Unternehmer wichtige Partner.

Was erhoffen Sie sich aus Ihrem Impuls für Innovation?

Die Reaktion der vielen jungen Menschen an der Veranstaltung in Ruggell hat mich sehr gefreut. Sie waren inspiriert. Das ist doch das wichtigste Ziel. Wir brauchen die Unternehmer der Zukunft. Ich bin sicher, dass wir nur schon in Liechtenstein viele junge bestens ausgebildete Menschen haben, die viel Potenzial für Innovation und Unternehmertum in sich tragen. Sie sind die Macher von morgen. Wir wollen einen Rahmen schaffen, der diese jungen Menschen unterstützt, ihnen hilft, ihre Ideen und Träume zu realisieren. Denn was heute ein Gedanke ist, kann morgen ein erfolgreiches Unternehmen sein. So gesehen ist die teuerste Idee jene, die nicht realisiert wird. Ich glaube an die Schaffenskraft der jungen Menschen. Mit ihrer Zukunft sichern wir auch unsere. (eps)

Dies ist der Auftakt zur einer Reihe von Beiträgen zum Thema «Innovationsstandort Liechtenstein», die in den kommenden Wochen folgen werden.

Quelle: (eps) Liechtensteiner Volksblatt

Wegen Online-Shops, jeder dritte Schweizer Laden ist in Gefahr

Die einst szenige Zürcher Kleiderkette Jamarico schloss alle vier Filialen, weil die Online-Konkurrenz zu stark wurde. (Keystone)

Die einst szenige Zürcher Kleiderkette Jamarico schloss alle vier Filialen, weil die Online-Konkurrenz zu stark wurde. (Keystone)

Die Läden kommen noch stärker unter Druck als gedacht. Inzwischen gehen sogar vielerorts die Ladenmieten zurück.

Experten der Grossbank Credit Suisse prognostizieren eine düstere Zukunft für Schweizer Läden. Ein Drittel der Verkaufspunkte dürften in den nächsten zehn Jahren verschwinden.

«Ende 2012 gab es in der Schweiz 50 576 Detailhandels-Verkaufspunkte. Wir erachten bis zu 17 000 davon als durch den Online-Handel gefährdet», sagt Fredy Hasenmaile, Head Real Estate & Regional Research, der «Handelszeitung»

Gleichzeitig sind erstmals seit zehn Jahren in vielen Schweizer Einkaufspassagen die Mietpreise rückläufig. Das hat der Immobilien-Berater Wüest & Partner im Auftrag der gleichen Zeitung ermittelt. Konkret sind die Mietpreise in 64 von 111 untersuchten kleinen und mittelgrossen Städten gesunken.

Ohne Online-Filiale läuft nichts mehr

Betroffen sind nicht nur Kleinstädte in Grenznähe wie Arbon, Bellinzona und Schaffhausen, sondern auch zentralere Städtchen wie Bremgarten, wo die Mietpreise um 20 Prozent tauchten.

Teilweise sind auch die grossen Schweizer Städte von der Online-Verdrängung betroffen, wie das Beispiel Jamarico zeigt. Die Kleiderkette schloss innert weniger Monaten alle vier Filialen in Zürich und Winterthur. Jamarico hatte nie ins Internet investiert.

Für GfK-Marktforscher Thomas Hochreutener ein fataler Fehler: «Funktionierende E-Commerce-Shops sind ein Muss im Kampf um die modeaffine Kundschaft geworden», wie er schon im Juni zu Blick.ch sagte.

Quelle: Blick am Abend